Was Meditation nicht ist

oder: Meditieren ist besser als ‘rumsitzen und nichts tun

Meditation kann nicht beschrieben werden, denn sie ist ein Zustand frei von Inhalt und Form und entzieht sich daher einer Definition mittels Sprache. Sie will jedoch ohnehin nicht verstanden, sondern nur erfahren werden. Um uns ihr zu nähern, können wir sie umschreiben.

buddhistischer MönchMeditation ist

  • Sein. »Ich bin.«
  • Nichts. Stille.
  • reines Gewahr-Sein, das Bewusstsein, das sich seiner selbst bewusst ist.
  • der sich selbst beobachtende Geist, der sich fragt, wer gerade diese Frage stellt.
  • die Freiheit von Inhalt, Bedeutung, Namen und Bewertung. Sie ist das Form-Lose, das Nicht-Wissen, die unschuldige staunende Neugier, das totale Unbekannte.
  • Nicht-Tun, denn Tun hat immer eine Absicht, und jede Absicht, jede Erwartung und jedes Ziel steht ihr im Wege.
  • volle Akzeptanz; die Aufgabe jeden Widerstandes. »Es ist, wie es ist.«
  • vollkommene Präsenz, die Auflösung der Zeit in Raum.
  • das Nicht-Anhaften an den Strom der Gedanken.

Doch wie sollen wir meditieren, wenn uns niemand mit Worten erklären kann, wie es geht? Um dieses Paradoxon abzumildern, können wir uns anschauen,

was Meditation nicht ist:

  • ein Weg zu Ekstase (im Sinne von Rauschzuständen), übersinnlichen Wahrnehmungen oder ähnlichem. Sie ist auch keine Realitätsflucht.
  • eine Entspannungsübung. Meditation kann entspannen, doch dies ist nicht ihr Zweck. Wenn Du meditierst, um dich zu entspannen, nenne es besser Entspannungstechnik und nicht Meditation.
    eine Konzentration(-sübung). Vielmehr eröffnet sie einen Raum gesteigerter Wahrnehmung, in dem mehr und mehr gleichzeitig wahrgenommen werden kann.
  • Ruhe. Auch wenn gerade zu Anfang Ruhe und Entspannung hilfreich sind, um in einen meditativen Zustand zu kommen, ist innere Stille nicht von äußerer Stille abhängig. Prinzipiell spricht nichts dagegen, auf einer Großbaustelle oder während eines Rammstein-Konzerts zu meditieren.

Zur Auswahl der Technik

Es gibt grundsätzlich keine besseren oder schlechteren Meditationstechniken, es gibt nur Techniken, die besser oder schlechter zu dir passen. Es lohnt sich daher, verschiedene auszuprobieren. Das Orangene Buch von Osho ist eine reichhaltige Quelle hierfür, wenn du nach Anregungen suchst.

Die meisten Techniken bedienen sich eines Meditationsobjektes, wie etwa den Atem (z.B. Vipassana), den Körper, ein Mantra, eine Kerzenflamme, ein Gebet, Chakren, Lachen, Weinen, Brabbeln… Durch das Richten der Aufmerksamkeit auf dieses Objekt wird die Flut vieler Gedanken zunächst auf einen Gedanken reduziert, und einen Gedanken loszulassen ist einfacher als viele. Beim Zazen der japanischen Buddhisten dagegen sitzt du nur und tust »einfach« nichts. Körperlich betonte Menschen werden sich auch zu aktiven Meditationen (Dynamische, Kundalini u. a. Tanzmeditationen) hingezogen fühlen.

Für alle Techniken gilt, dass sie immer nur vorübergehende Hilfsmittel sein können und irgendwann überflüssig werden müssen, wenn du frei sein willst.

Hilfreiche Hinweise

  • Nicht-Denken geht nicht. Ein häufiges Missverständnis ist, dass man beim Meditieren mit dem Denken aufhören soll. Vergiss es! Diesen Gefallen wird dir dein Geist nicht tun, denn Denken ist sein Job. Das macht aber nichts, denn deine Gedanken sind nicht das Problem, sondern nur deine Anhaftung an sie. Lass sie vorüberziehen, beobachte sie und vor allem: Glaube sie nicht!
  • Du wirst zumindest anfangs Erwartungen an die Meditation haben, was auch ganz natürlich ist, sonst hättest du ja keinen Antrieb zu meditieren. Wenn die Meditation unerwartet verläuft – was (hoffentlich) meist der Fall sein wird –, dann hilft es, das Unerwartete in die Meditation mit einzuschließen, es zu akzeptieren und einzuladen. Jede Form von Widerstand verhindert Meditation.
  • Viele sind frustriert, wenn Unbehagen statt dem erhofften gesteigerten Wohlbefinden auftaucht. Vielleicht will der Strom der Gedanken einfach nicht abreißen, oder du bekommst Rückenschmerzen, kannst dich nicht entspannen etc. Dann ist es zwecklos, das Unbehagen »wegmeditieren« zu wollen. Suche dann nach einem Weg, es zu akzeptieren statt abzulehnen. Du kannst z. B. versuchen, es größer zu machen oder deine Gedanken über es zu beobachten.
  • Sei freundlich mit dir. Wenn du feststellst, dass du mit deiner Aufmerksamkeit abgeschweift bist und dich vom Strom deiner Gedanken hast mitreißen lassen, so hadere nicht mit dir, sondern nimm es nur wahr und kehre wieder in die Gegenwart zurück. Irgendjemand hat einmal gesagt: »Der einzige Fehler, den man beim Meditieren machen kann, ist, es nicht zu tun.«
  • Meditieren mit Musik: Achte darauf, dass die Musik nicht zum Klangteppich wird, der dich im Hintergrund einlullt oder in einen Tagtraum abgleiten lässt. Nimm jedes Detail der Musik bewusst wahr. Sei mit der Musik und nicht neben, oder gar gegen die Musik.

In der Meditation lernst du, das Leben so zu akzeptieren und zu lieben, wie es ist, und auch seinen unangenehmen Herausforderungen mit mehr und mehr Gelassenheit zu begegnen. Dabei bedeutet Lieben nicht zwangsläufig auch Mögen. Nur wenn du die Stille und die Präsenz der Meditation auch in deinen Alltag fließen lässt, erfüllst du sie wirklich mit Sinn. So kann dein ganzes Leben zu einer einzigen Meditation werden.

Meditation ist das »Ja« zum Leben.

© 2014 Björn Klug

Literatur zum Thema

Osho - Das Orangene BuchOsho – Das Orangene Buch: Zu meiner Jugendzeit war Osho noch als Bhagwan Shree Rajneesh bekannt, und mir wurde damals gesagt, dass er Führer einer gefährlichen Sekte sei, von der ich mich fernhalten solle. Heute denke ich manchmal: Schade, dass ich drauf gehört habe. Osho hat die Weisheit mystischer Traditionen des Ostens einem breiten westlichen Publikum nahe gebracht und so einen unschätzbaren Beitrag zu spirituellen Revolution bei uns geleistet. Dabei schien er es zu genießen, durch Provokationen zu polarisieren. Scheinbar eklektisch hat er sich bei anderen Lehren bedient und deren Techniken neu zusammengestellt, um sie den speziellen Bedürnissen westlicher Suchender anzupassen. Das Orangene Buch ist eine Zusammenstellung zahlreicher Meditationstechniken, die Osho lehrte, sowohl traditionelle wie auch von ihm selbst entwickelte, darunter seine bekannten aktiven Meditationen, wie die Kundalini-Meditation und die dynamische Meditation. Meine Empfehlung: Ausprobieren und dann bei zwei oder drei Techniken bleiben und diese eine Zeit lang durchziehen.

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