Mehr, mehr, mehr!!!

Sind spirituelle Menschen die besseren Menschen?

»Mehr Geld!«, »Mehr Macht!« und »Mehr Sex!«. Die großen Drei lernen wir noch lange bevor wir »Du sollst nicht töten.« oder »Du sollst nicht stehlen.« auch nur in Betracht ziehen. Sie haben sich als die zentralen Leitsätze für das Funktionieren unserer Gesellschaft etabliert.

Geld, Macht und Sex = Glückseligkeit: Diese Formel ist im Laufe der Menschheitsgeschichte nicht ein einziges Mal aufgegangen, was die Mehrheit komischerweise nicht davon abhält, am bislang vorherrschenden Lösungsansatz festzuhalten: »Wir müssen uns einfach noch mehr anstrengen, bis die kritische Masse an Geld, Macht und Sex erreicht ist! Dann werden wir glücklich sein!«

MehrEine kleine, aber beständig wachsende Gemeinde jedoch hat sich der Suche nach Alternativen verschrieben. Inspiriert von jenen, die Glückseligkeit jenseits weltlicher Meriten bereits erreicht haben, testen sie neue Strategien, die ihnen dauerhaftes Glück sichern sollen – ohne die Anhäufung von mehr, mehr, mehr. Die Spiritualität ward geboren.

Die spirituelle Suche

Wer also durch Anwendung der drei obersten Gebote genügend Frustration angesammelt hat, macht sich auf die spirituelle Suche. Information gibt es hierzulande ja glücklicherweise im Überfluss, und so muss er nicht lange suchen, bis ihm weiser Rat erteilt wird.

In der Buchhandlung fällt ihm sofort die große Auslage zum Thema Wunscherfüllung ins Auge. Mehr Wohlstand und Fülle auf allen Ebenen wird ihm da versprochen. Ganz ohne Anstrengung. Na, das hört sich doch schon einmal gut an.

Ein Freund hat schon Erfahrung beim Yoga gesammelt. Mehr Körperbewusstsein, mehr Ausgeglichenheit und mehr körperliche Fitness stellt ihm dieser in Aussicht. Ach ja, und mehr Gesundheit durch Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Körpers.

Ein anderer legt ihm Meditation ans Herz. Der Lohn: Mehr Gelassenheit, mehr Konzentration und gesteigerte kognitive Leistungsfähigkeit. Weitere Ansätze versprechen mehr Motivation, mehr Erfolg, mehr Charisma und mehr Durchsetzungskraft.

Und auch in der Paarbeziehung soll es ja künftig stressfreier zugehen. Mehr Harmonie, mehr Ekstase und mehr Lebensfreude – mit Tantra auch kein Problem mehr.

Mehr Fülle, mehr Harmonie, mehr Liebe …

Moment mal.

Und noch eine Runde …

Die verstörendsten Momente des spirituellen Weges sind diejenigen, in denen wir erschrocken feststellen, dass wir nichts wesentliches verändert haben.

Es sind die Momente, in denen wir gut daran tun, uns zu erinnern, dass keine Version von »Mehr, mehr, mehr!« uns dauerhaft glücklich machen kann. Auch wenn es schmerzt: Die Identität des spirituellen Gutmenschen unterscheidet sich im Wesen keinen Deut von der des machtgierigen Konzernchefs oder der des korrupten Politikers. Wann immer wir uns darum bemühen, das Pendel nur noch in Richtung Wohlbefinden zu ziehen, so erreichen wir damit nur, dass es letztendlich nur umso heftiger in die Gegenrichtung ausschlägt.

Und mit ein wenig Glück erkennen wir in einem dieser Momente, dass mit der Aufgabe des angestrengten Strebens auch die Fülle in unser Leben eintreten kann. Allerdings aus vollkommen unerwarteter Richtung.

© 2012 Björn Klug

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