Physik der Wunscherfüllung

Was zur Hölle hat Quantenphysik mit Glücklichsein zu tun?

Wunscherfüllungslehren sind immer noch der Renner. In der Esoterik-Ecke jeder Buchhandlung finden Sie die Bestellungen beim Universum oder die Werke von Abraham-Hicks. Seit einigen Jahren nun ist es in Mode gekommen, die Quantenphysik als wissenschaftliches Fundament für Manifestationstechniken zu bemühen. What the Bleep Do We Know?, The SecretMatrix Energetics, Quantenheilung, die göttliche Matrix – um nur einige prominente Beispiele zu nennen. Wenn Sie wissen möchten, was uns die Quantenphysik über unser Bewusstsein sagt und ob sie uns bei der Erfüllung unserer Wünsche behilflich sein kann, lesen Sie weiter.

Spärliche Erfolge

Ich gehe praktisch jede Wette ein: Wenn man alle konsequenten Anwender von Lehren zur Wunscherfüllung, sagen wir mal, nach 5 Jahren befragen würde, ob sich all ihre Wünsche erfüllt haben, wie sie sich das vorgestellt haben, wäre das Ergebnis ernüchternd. Ich bin mir ziemlich sicher, dass nur ein verschwindend geringer Anteil positiv antworten würde – vorausgesetzt, die Betreffenden sind schonungslos ehrlich mit sich selbst.

Sie haben es auch schon probiert?

Hat nicht besonders gut geklappt? Oder doch?

Nun, dann sehen wir uns doch einmal an, warum es funktioniert, wenn es funktioniert, und warum nicht, wenn nicht.

Beginnen wir mit der wissenschaftlichen Basis für die Physik der Wunscherfüllung.

Bewusstsein erzeugt Materie

Die erste Entdeckung der Quantenphysik, die von Manifestationslehrern gerne angeführt wird, ist die, dass das Verhalten von Quanten abhängig vom Akt ihrer Beobachtung ist.

Sehr vereinfacht könnte man sagen, wenn keiner hinschaut, verhält sich ein Quantum wie eine Welle, bzw. ein Energiefeld mit dem Potenzial, unendlich viele verschiedene Zustände einzunehmen. Wenn wir es jedoch beobachten, wird es plötzlich zum Teilchen. Der Physiker spricht vom Zusammenbrechen der Wellenform (Stichworte: Doppelspaltexperiment, Schrödingers Katze).

Eine mögliche (in der Wissenschaft jedoch umstrittene) Interpretation dieser Entdeckung ist nun, dass Bewusstsein Materie erzeugt. Anders gesagt, die Materie existiert nicht bereits, bevor sie beobachtet wird, sondern der Akt der Beobachtung macht aus Energie ein Teilchen. In diesem Bild reagieren wir also nicht auf die Reize einer äußeren materiellen Welt, sonder wir erzeugen sie durch eine wie auch immer geartete, Richtung unseres Bewusstseins – wir machen sie manifest.

Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau rausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch etwas noch Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt.

Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist.

Douglas Adams

Auflösung von Zeit und Raum

Neuere Experimente mit sog. verschränkten Quanten zeigen außerdem, dass diese untereinander über beliebige Distanzen und ohne jede Zeitverzögerung miteinander kommunizieren können. Beschränkungen in Zeit und Raum scheinen aufgehoben. Auf den ersten Blick scheint Einsteins Aussage, dass sich nichts schneller als das Licht bewegen könne, damit widerlegt.

Jedoch wird auch diese Interpretation der Experimente wissenschaftlich immer noch heiß diskutiert, ebenso wie die naheliegende Schlussfolgerung, dass jedes Teilchen des Universums mit jedem anderen irgendwie in Wechselwirkung steht.

Hingegen würden Buddha oder Jesus, so sie noch unter uns weilten, diese Forschungsergebnisse wohl höchstens mit einem Lächeln und einem wissenden Nicken quittieren. Wäre ja auch logisch, denn die Auflösung von Zeit und Raum ist schließlich ihre Kernkompetenz.

Allmachtswahn

Aber zurück zur Manifestation.  Die Lehrer neuerer Manifestationstechniken führen die Erkenntnisse der Quantenphysik als Beweis dafür an, dass wir

  1. unsere Realität selbst erzeugen und daher prinzipiell in der Lage sind, uns alles, was wir uns vorstellen können, auch manifestieren können und
  2. nicht einmal lange auf das Ergebnis warten müssen, da Zeit in diesem Prozess keine Rolle spielt.

Literatur um das sog. Gesetz der Anziehung gibt es bereits seit über einem Jahrhundert (prominentestes Beispiel: Wallace Wattles – The Science of Getting Rich aus dem Jahr 1910), und dem modernen Menschen steht eine große Bandbreite an Wunscherfüllungsbüchern zur Verfügung.

Schrödingers Katze ist also schon lange aus dem Sack.

Warum also ist unsere Welt nicht voll von glücklichen Menschen, die sich alle ihren Porsche vor die Tür und ein paar Millionen aufs Bankkonto gewünscht haben?

Der Denkfehler

Der Fehler liegt nicht etwa darin, dass die Annahme falsch ist, Materie werde durch Bewusstsein erzeugt. Tatsächlich war es nur eine Frage der Zeit, bis die moderne Wissenschaft spirituelle Dimensionen berühren würde. Einer der wenigen Physiker, die dies erkannt haben, war übrigens David Bohm – Bewunderer und Freund von Jiddu Krishnamurti – mit seiner Idee eines holographischen Universums. Auf dem Gebiet der Biologie hat Bruce Lipton ähnliches erkannt, und in vielleicht 50 Jahren wird es auch der letzte Fundamentalist begriffen haben.

Daran liegt es also nicht.

Der Denkfehler liegt im Denken selbst. Wünsche entspringen nämlich gewöhnlich unserem Alltagsbewusstsein, unserem Verstand, unserem Ich-Bewusstsein oder Ego. Wie auch immer wir es nennen wollen, es ist Teil der Manifestation. Und als Teil der Manifestation ist es ein Produkt des – nennen wir es einmal – universellen Bewusstseins und kann zwangsläufig nicht selbst manifestieren.

Um also bewusst etwas manifestieren zu können, bräuchten wir erst einmal Zugang zu jenem universellen Bewusstsein. Machbar, denn die großen Weisheitslehren der Welt zeigen uns schon seit Jahrtausenden wie das geht. Alle diese Lehren haben eines gemeinsam: In irgendeiner Form lehren sie alle die bedingungslose Akzeptanz der Realität. Dem, der dem, was ist, Widerstand entgegensetzt, werden die Tore zum Himmel verschlossen bleiben.

Nun könnte ich, will aber nicht mehr

Die meisten Manifestationslehren gehen auf diesen Aspekt der Akzeptanz nicht oder nur im Nebensatz ein, womit ein Scheitern der Techniken vorprogrammiert ist.

Manifestation aus dem Ich-Bewusstsein heraus kann also nicht funktionieren. Damit sie überhaupt funktionieren könnte, müsste der Anwender erst einmal Kontakt zu dem Bewusstsein haben, das unsere Welt erzeugt. Dazu muss er die Realität aber erst einmal bedingungslos lieben lernen.

Wenn er das geschafft hat, was passiert dann jedoch mit seinen Wünschen? Richtig, sie lösen sich ins Nichts auf.

Dies ist das Paradoxon spirituellen Wachstums. Unseren Antrieb beziehen wir aus unseren Wünschen, die aus unserem Leiden, unserem Widerstand gegen die Wirklichkeit, wie wir sie erleben, resultieren. Und wenn wir Glück haben, erkennen wir schließlich, dass wir all das, was wir meinten zu brauchen, in Wirklichkeit doch nicht brauchten.

Und noch paradoxer: Dann wird die Realität noch viel freundlicher, als wir es uns je hätten wünschen können.

Die Wirklichkeit ist immer freundlich
Byron Katie

© 2012 Björn Klug

Literatur zum Thema

Wer sich bereits genug Frust bei der Anwendung diverser Manifestationslehren geholt hat, wird mit Sicherheit die Lehren von Robert Scheinfeld ansprechend finden.

Robert Scheinfeld - Raus aus dem Geld-Spiel!Raus aus dem Geld-Spiel!: Robert Scheinfeld war einer der ganz großen Fische im Business. Er gründete mehrere millionenschwere Unternehmen, bevor seine spirituelle Wandlung begann. Was er lehrt, erinnert mich stark an die Lehre von Nisargadatta Maharaj, auch wenn er andere Worte verwendet und andere Quellen zitiert. [Tatsächlich habe ich kürzlich in einem Werbevideo von Scheinfeld I am That in seinem Bücherregal stehen sehen…]

Insofern ist Scheinfeld ein besonders interessanter Lehrer, nicht etwa, weil er etwas außergewöhnlich Neues erfunden hätte, sondern wegen seiner Herkunft – der Hochfinanz, eine Branche, in der Spiritualität gewöhnlich wenig Platz hat.

Byron Katie - Lieben was istLieben was ist: Vollkommene Freiheit ist nur über die Disziplinierung des Geistes möglich. Byron Katie lehrt eine besonders klare und einfache Methode, unsere Gedanken und Glaubensätze zu hinterfragen. Auch sie hat erkannt: Leiden bedeutet, etwas zu glauben, das nicht mit der Realität in Einklang steht. Wenn wir nicht leiden wollen, müssen wir also unsere Gedanken hinterfragen. Wie dies mit vier simplen Fragen und einer Umkehrung geht, zeigt sie in diesem Buch, unter anderem anhand vieler anschaulicher Beispieldialoge aus ihren Seminaren. Einige davon sind übrigens als Videos auf ihrer Webseite und bei YouTube zu finden.

(Originaltitel: Loving What Is)

Byron Katie - Eintausend Namen für FreudeEintausend Namen für Freude: All unsere Probleme und alles Leiden sind ein Produkt unseres Verstandes, und unser ganzes Universum ist eine Projektion unseres Geistes. Zeit – Vergangenheit und Zukunft – ist eine Illusion, und nur in der Präsenz finden wir wahren Frieden und unvergängliche Freiheit.

Es gibt viele Quellen, die uns auf ganz verschiedene Weise den Zugang zu dieser einzigen Wahrheit ermöglichen wollen. Für den westlichen Menschen des 21. Jahrhunderts gestaltet es sich jedoch gewöhnlich schwierig, sich diesen Zugang zu erarbeiten, da die meisten erwachten Lehrer einer anderen Zeit und/oder einem anderen Kulturkreis entstammen. Die alten Schriften wurden im Laufe ihrer Überlieferung verfälscht oder verstümmelt, was es uns erschwert, ihnen ihre Essenz zu entlocken, und bei manch modernem Lehrer muss man sich erst ein neues Vokabular oder ein Methodensystem erarbeiten, um ihn zu verstehen. Was alles den Verstand bindet und beschäftigt – der daraus wiederum neue Probleme bastelt… Ein Teufelskreis.

Byron Katie hingegen ist ein unschätzbares Geschenk für den Suchenden mit westlichen Wurzeln. Ohne ideologischen Ballast und in einer schnörkellosen Sprache, die ich sofort verstehen kann, bietet sie mir das einzige dar, was sie zu bieten hat: Vier Fragen, um meinen Geist zu hinterfragen, damit auch ich Freiheit erleben kann. Dies ist möglich, da sich Byron Katie ihr Erwachen nicht im Laufe einer spirituellen „Karriere“ erarbeitet hat und auch keinem Lehrer oder Glaubenssystem folgt.

Stephen Mitchell ist Byron Katies Ehemann und hat unter anderem das Tao Te King und die Bhagavad Gita in moderner Sprache neu übersetzt und interpretiert. Was für ein Glück für ihn (und uns), dass er nun einfach seine Frau fragen kann, was ihr „Kollege“ Lao Tse mit seinen Worten ausdrücken wollte. Das vorliegende Buch stellt sozusagen die von Byron Katie kommentierte Version des Tao Te King dar.

„Eintausend Namen für Freude“ bietet uns einen wunderbaren Einblick in den erwachten Geist. Und auch wenn sich die ultimative Wahrheit jeder Beschreibung durch Worte entzieht, finden wir hier wohl die bestmögliche Annäherung. Eine solche kristallklare Transparenz habe ich bisher nur bei Nisargadatta Maharaj gefunden und vielleicht noch bei Ramana Maharshi (von dem allerdings einige Texte sehr schlecht übersetzt sind). Selbst Eckhart Tolle, den ich ebenfalls sehr schätze, hat sich für mein Empfinden ein wenig dazu hinreißen lassen, neue Konzepte, wie etwa den Schmerzkörper, zu postulieren und damit dem Verstand neues Futter zu geben…

(Originaltitel: A Thousand Names for Joy)

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3 Kommentare to “Physik der Wunscherfüllung”

  1. Hallo Björn,

    interessanter Artikel. Ich bin jedoch über ein paar Dinge gestolpert:

    Du schreibst: „Neuere Experimente mit sog. verschränkten Quanten zeigen außerdem, dass diese untereinander über beliebige Distanzen und ohne jede Zeitverzögerung miteinander kommunizieren können.“
    Meines Wissens nach kann durch Quantenverschränkung keine Information übertragen werden. Hast du zu diesen Experimenten eine Quellenangabe?

    Gibt es eigentlich empirische Belege, dass Wunsch-Manifestation in deinem Sinne ein realer Effekt ist, der sich nicht durch unterbewusstes Handeln, Plazebo- oder Barnum-Effekte erklären lässt?

    Gruß

    Frank

    • Hallo Frank,

      der von Dir zitierte Satz hat mir tatsächlich einiges an Kopfzerbrechen gemacht. Wenn ich das, was z. B. in http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberlichtgeschwindigkeit#EPR-Effekt über die „spukhafte Fernwirkung“ (Einstein) erläutert wird, richtig verstehe, dann legt die Messung des einen Quantums den Zustand des anderen instantan fest. Die beste Formulierung, die ich dafür finden konnte, war, dass sie ohne Zeitverzögerung miteinander kommunizieren.

      Dass dieser Effekt nicht zur Informationsübermittlung (die nach Shannon ja auch eine Übertragung von Energie bedeuten würde) genutzt werden kann, scheint mir davon unberührt.

      Wie würdest Du den Satz denn besser formulieren?

      Ich kenne keine empirischen Belege zum Thema Wunscherfüllung.

      Einerseits scheint mir, dass solche absurd wären und zu keinem verwertbaren Ergebnis führen, da eine solche ja in der manifesten Welt vom Ich-Bewusstsein durchgeführt werden müssten. Und tatsächlich würde man alle derart gewonnenen Ergebnisse mit den von Dir angeführten Effekten erklären können.

      Andererseits wird z. B. gerade der Placebo-Effekt gerne als Beweis für die Wirksamkeit des Gesetzes der Anziehung angeführt.

      Wie ich es auch drehe und wende – alles würde in einer philosphischen Diskussion enden, die als Ergebnis wohl nichts außer einer philosophischen Diskussion hätte. Letztlich zählt doch nur, wie nützlich jeder einzelne derartige Techniken für sich bewertet. Ich kann jeden nur dazu ermutigen, es selbst auszuprobieren und seine eigenen Erfahrungen zu machen.

      LG

      Björn

  2. Sollte Manifestation in deinem Sinne ein realer Effekt sein, ließe er sich dennoch nicht mit Quantenverschränkung erklären, da dabei Information bewegt werden müsste und dies bei QV gerade nicht passiert. Ähnlich lassen sich auch nicht – wie oft behauptet – Bewusstsein und „freier Wille“ durch Quanteneffekte erklären. Unser Gehirn ist viel zu warm als dass dies möglich wäre. Dazu müsste man seinen Kopf schon in flüssiges Helium tauchen. 🙂

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