Beziehungskiller Luxusduft

Wie Chanel, Dior und Co. Ihr Beziehungsleben sabotieren können

Hat Ihnen im Theater auch schon einmal der Duft gestunken, den die aufgetakelte Fregatte vor Ihnen allen Besuchern im Umkreis von mehreren Metern erbarmungslos aufzwängt? Nun, das ist bei weitem nicht das Schlimmste, was Parfums anrichten können. Nicht selten nämlich sind sie verantwortlich, wenn frische Liebesbeziehungen nach relativ kurzer Zeit wieder zerbrechen. Dass der teure Duft dran Schuld sein könnte, wird jedoch den wenigsten bewusst. Frau riecht an Blume

Das erste Date. Diesmal ist es bestimmt der Richtige. Nichts soll schiefgehen, also rein in die schicksten Klamotten, vielleicht noch etwas Make-up für die kleineren Makel und natürlich das teure Lieblingsparfum. Dem Kandidaten scheint’s zu gefallen, der Abend läuft gut und wird zum Auftakt einer leidenschaftlichen Liebesbeziehung.

Doch schon nach wenigen Wochen kriselt es, aus kleinen Unstimmigkeiten wird Streit, und das Paar trennt sich wieder, trotz der vielen Gemeinsamkeiten. Keiner von beiden ahnt: seine Nase war schuld – er hatte sich in ihr Parfum verliebt, konnte ihren eigenen Duft aber nicht riechen.

Warum es so wichtig, ist sich gut riechen zu können

Irgendwann erreicht jede Beziehung den Punkt, an dem wir unseren Partner nackt und ungeschminkt sehen und seinen Geruch kennenlernen, bevor er durch Drogerieartikel verfälscht wird. Ist die Liebe groß genug, wird es gewöhnlich leicht fallen, über kleine Unebenheiten der Gesichtshaut hinwegzusehen oder sich mit einer anatomischen Realität ohne Push-up-BH zu arrangieren. Hingegen hat die Täuschung auf olfaktorischer Ebene schwerwiegendere Konsequenzen, denn sie wird die Beziehung dauerhaft belasten und nicht selten eine Trennung bewirken. Der Grund hierfür ist so einfach wie weitreichend.

Der Geruchssinn ist evolutionsgeschichtlich das älteste Sinnesorgan überhaupt und direkt mit Hirnbereichen verbunden, die unser emotionales Erleben steuern. Ob eine Geruchswahrnehmung als angenehm oder unangenehm eingestuft wird, ist bereits entschieden, wenn die Information unseren Verstand erreicht. Daher ist es kaum möglich, gegen eine solche Abneigung anzugehen. Man kann sie zwar intellektuell unterdrücken, auf emotionaler Ebene bleibt sie jedoch real. Diese Abneigung muss nicht einmal bewusst wahrgenommen werden. Häufig führt sie jedoch dazu, dass der Betreffende seine Beziehung sabotiert, indem er z. B. einen Streit vom Zaun bricht, um Distanz zu seinem Partner zu erzeugen.

Wenn also der Schleier des künstlichen Duftes fällt, schlägt die Stunde der Wahrheit, und wir finden heraus, ob wir unseren Partner wirklich gut riechen können.

Ehrlich währt eben immer noch am längsten

ParfumWer eine/n Partner/in auf Dauer sucht, tut folglich gut daran, sich gleich zu Anfang so unverschleiert wie möglich zu präsentieren und auf Täuschungen zu verzichten, die so tiefgreifende Konsequenzen haben wie im Falle des Körpergeruchs. Damit vermeidet er, dass sich jemand in ein Bild von ihm verliebt, welches sich unweigerlich als Illusion entpuppt.

Persönlich fällt es mir schwer, überhaupt einen Grund für die Verwendung künstlicher Düfte zu finden. Letztlich kann es ja nur zwei verschiedene Argumentationen für das Parfümieren geben:

  1. Ich tue es für mich, weil ich den Duft selbst gerne rieche. Dagegen spricht jedoch, dass der Geruchssinn sehr schnell ermüdet und der Duft bereits nach kurzer Zeit gar nicht mehr wahrgenommen wird. Anders gesagt, er langweilt sich schnell, und das Vergnügen ist nur von kurzer Dauer.
  2. Ich tue es, um andere Menschen zu erfreuen oder anzuziehen (oder abzustoßen?). Das wäre nicht besonders klug, denn ich kann im Vorhinein unmöglich wissen, wie mein Duft auf andere wirkt. Was der eine als sehr angenehm empfindet, stößt einen anderen wiederum ab. So ziehe ich eventuell Menschen an, die ich nicht mag, oder stoße andere ab, die mir ansonsten sehr sympathisch gewesen wären.

Aus diesem Grund empfehle ich auch dringend, in Bewerbungsgesprächen oder vergleichbaren Situationen auf Düfte zu verzichten, denn die Abwesenheit eines Duftes hat noch niemanden gestört. Empfindet Ihr Gegenüber jedoch Ihren Geruch als unangenehm, haben Sie eine sehr, sehr hohe zusätzliche Hürde zu überwinden, um seine Gunst trotzdem noch zu erringen.

© 2012 Björn Klug

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