Die 7 Todsünden der Führungskraft

Wenn Ihr Unternehmen auch weiterhin florieren soll

Betriebswirtschaftliche Kompetenz alleine reicht nicht, um den dauerhaften Erfolg eines Unternehmens zu sichern. Das bekommen besonders Führungskräfte von wachsenden Unternehmen zu spüren, deren Mitarbeiterzahl einen kritischen Wert überschreitet. Ihre Fähigkeiten als Manager haben sie mit wirtschaftlichem Erfolg bereits unter Beweis gestellt, die aufkommenden Anforderungen an ihre soziale Kompetenz treffen sie jedoch oft völlig unvorbereitet. Wenn’s auch bei Ihnen im Getriebe knirscht, erfahren Sie hier, woran es höchstwahrscheinlich liegt. Hier kommen sie, die sieben schlimmsten – und gleichzeitig häufigsten – Fehler, die Ihnen Ihren Führungsalltag zur Hölle machen werden.

SorgenchefEins: Vereinbarungen nicht einhalten

Sie sagen z. B. Termine häufig kurzfristig ab oder verspäten sich oft, bezahlen Honorare, Gehälter und Rechnungen später als vereinbart. Kurz gesagt, Sie erfüllen nicht all Ihre Zusagen makellos. Gleichzeitig beschweren Sie sich über Mitarbeiter, die wiederholt Fristen überschreiten.

Ihr Preis: Mit jeder gebrochenen Vereinbarung, so nebensächlich sie Ihnen auch vorkommen mag, signalisieren Sie Ihren Mitarbeitern zumindest unterschwellig, dass Ihre Zusagen nichts wert sind. Wenn Sie wollen, dass sich Ihre Mitarbeiter mit vollem Einsatz für Ihr Unternehmen engagieren, sollten Sie ihnen hingegen das Gefühl geben, sich voll auf Sie verlassen zu können.

Zwei: Kritik statt Wertschätzung

Sie loben Ihre Mitarbeiter, wenn Sie mit Ihnen zufrieden sind und tadeln sie, wenn Sie Fehler machen. Sie bezahlen Ihre Angestellten schlechter als deren Dienste eigentlich wert wären oder lassen gar unentgeltlich arbeiten und nennen es dann »Praktikum«. Ihre Mitarbeiter sind nur austauschbare Anweisungsempfänger für Sie, die nach Ihren Vorstellungen gut funktionieren sollen.

Ihr Preis: Auch wenn uns allen das Prinzip Kritik sehr gut bekannt ist – schließlich basiert praktisch unser gesamtes Bildungs- und Erziehungssystem darauf – so konditioniert man Hunde. In der Folge werden Sie zum Zirkusdirektor mit einem ganzen Stall gut dressierter Tiere, die im allerbesten Fall genau das machen, was Sie von ihnen verlangen – und keinen Deut mehr! Menschen entfalten dort ihre Kreativität am besten, wo sie sich wertvoll fühlen, also sind Sie gefordert, aufrichtig ihren Wert zu schätzen und dies auch messbar zum Ausdruck zu bringen. Lob hingegen hat mit Wertschätzung nichts gemein, denn Lob und Tadel sind die Seiten der gleichen Medaille: Kritik.

Drei: Kontrolle

Sie können es kaum ertragen, nicht immer genau zu wissen, was Ihre Mitarbeiter gerade tun und sehen ihnen regelmäßig über die Schulter. Sie zögern nicht, auch kleinere Fehler unverzüglich zu korrigieren und dem Betreffenden genau zu erklären, wie er es besser zu machen hat. Selbst wenn Sie Kompetenzen abgeben, behalten Sie immer »einen Fuß in der Tür«. Sie regen sich regelmäßig über die Unfähigkeit Ihrer Angestellten auf und haben ständig das Gefühl, wichtige Dinge selbst machen zu müssen, wenn sie richtig gemacht werden sollen.

Ihr Preis: Behandeln Sie Ihre Mitarbeiter wie unmündige Kinder, so werden Sie unmündige Kinder erhalten. Was im kleinen Familienbetrieb noch halbwegs funktionieren mag, wächst sich bald zur Jonglage mit zu vielen Bällen aus. Der Burnout wartet schon um die Ecke. Aber Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, richtig? Falsch! Echtes Engagement und Kreativität entwickeln nur Menschen, denen man Autonomie zugesteht. (s. auch Mehr Gehalt – … schlechtere Leistung!)

Vier: Heiße Luft & Unklare Kommunikation

Sie haben bei Kundenakquise und in Verkaufsgesprächen gelernt, dass es schon O. K. ist, wenn man das eigene Produkt ein wenig über den Klee lobt und auch schon einmal Eigenschaften verspricht, die es noch gar nicht hat. Die gleiche Strategie wenden Sie nun bei Ihren Mitarbeitern an. Bereits im Vorstellungsgespräch preisen Sie dem Bewerber Entwicklungschancen an, von denen Sie wissen, dass sie vermutlich nie so rosig aussehen werden, wie Sie sie gerade darstellen. Später darauf angesprochen, haben Sie sofort gute Argumente zur Hand, warum die Beförderung oder Gehaltserhöhung angesichts der derzeitigen Lage noch ein wenig warten muss. Nur noch ein wenig Geduld, denn die Zukunftsaussichten sind weiterhin prächtig…

Im gleichen Zuge reagieren Sie verschnupft oder sogar persönlich gekränkt, wenn Ihre Mitarbeiter Ihre stillen Erwartungen nicht erfüllen. Es empört Sie, wenn Ihre Schreibkraft in turbulenten Zeiten nicht ungefragt jeden Tag eine unbezahlte Überstunde macht. Und ist es nicht selbstverständlich, dass alle Mitarbeiter selbstständig darauf achten, dass immer genug Kaffee und Milch vorhanden ist?

Ihr Preis: Unklare Kommunikation ist die Ursache Nummer Eins für Reibungsverluste im Unternehmen. Übertreibungen und Unterlassungen – was beim Verkaufen gerade noch gut gehen mag, rächt sich bei Ihren Mitarbeitern bitter. Sie sind auf dem Holzweg, wenn Sie meinen, man würde Ihnen Ihre Lippenbekenntnisse auf Dauer abnehmen. Letztendlich fliegen Sie immer auf. Und dann ist das Vertrauen weg.

Fünf: Meckern, Klatsch & Tratsch

Sie beschweren sich bei Kollegen über abwesende Mitarbeiter oder sprechen in abfälliger oder abwertender Weise über denjenigen. Oder Sie weisen einen Mitarbeiter in Anwesenheit anderer zurecht. Sie echauffieren sich vor Ihren Mitarbeitern aufgebracht über diverse Verfehlungen von Kunden und Geschäftspartnern, die Sie später jedoch devot in Watte packen. Sie klatschen und tratschen über andere Firmenangehörige.

Ihr Preis: Jedem, bei dem Sie meckern, klatschen und tratschen, signalisieren Sie gleichzeitig: Das mache ich mit dir genauso, wenn Du meinem Bild nicht entsprichst. Auch hier bezahlen Sie mit einem Vertrauensverlust, der nur sehr schwer wiedergutzumachen ist. Eine gute Faustregel ist: Sprechen Sie über Abwesende nur aus, was Sie auch in deren Anwesenheit äußern würden und klären Sie alle Probleme mit dem Betreffenden direkt. Lassen Sie andere, die nicht unmittelbar involviert sind, außen vor.

Sechs: Eine Rolle spielen

Sie setzen auf dem Weg ins Büro eine Maske auf, die Sie bis zum Heimweg nicht wieder absetzen. In der Firma spielen Sie konsequent eine Rolle, vielleicht Hart aber gerecht, jedermanns Liebling, den gütigen Patriarchen, den knallharten Businessman, den einsamen Einzelkämpfer… weil Sie glauben, den an Sie gestellten Anforderungen anders nicht genügen zu können. Sie trennen klar zwischen sich als Privatperson und sich als Geschäftsmann. Eigentlich sind Sie ganz anders, nur kommen Sie leider so selten dazu. Manchmal führt das dazu, dass Sie von Ihren Mitarbeitern verlangen, was Sie selbst nicht bereit sind zu geben.

Ihr Preis: Jemanden zu spielen, der man nicht ist, kostet unglaublich viel Energie. Wer das zu lange macht, zahlt unweigerlich mit seiner Gesundheit dafür. Und während Sie noch glauben, dass keiner was von Ihrem Rollenspiel bemerkt, macht sich die ganze Belegschaft hinter Ihrem Rücken bereits lustig über Sie, und kaum jemand nimmt Sie noch wirklich ernst. Tun Sie sich selbst einen Gefallen und seien Sie so authentisch wie möglich.

Sieben: Druck nach unten abgeben

Scheiße fließt abwärts. Weil Sie das wissen, und weil Sie nicht möchten, dass sie bei Ihnen halt macht, geben Sie Druck von oben gerne auch mal an Ihre Mitarbeiter weiter. An stressigen Tagen reagieren Sie schnell ungehalten, werden auch mal laut und verzeihen Ihren Untergebenen selbst kleinere Fehler nicht. Wird der Druck unerträglich, lassen Sie sogar andere Ihre Fehler ausbaden.

Ihr Preis: Sie verlieren den Kontakt zu Ihren Angestellten, da diese sich als natürliche Reaktion auf Ihr Verhalten von Ihnen distanzieren. Und bald wissen Sie nicht mehr, was in Ihrem Laden läuft. Unnötig zu erwähnen, dass die Motivation und Kreativität Ihres Personals Tiefstmarken erreichen wird.

Mal die Fassung verlieren sei doch nur menschlich, sagen Sie? Mag sein, und auch mit den besten Vorsätzen wird es Ihnen vielleicht wieder passieren. Doch zu glauben, Ihre Mitarbeiter müssten das schon aushalten, ist sträflicher Leichtsinn. Übernehmen Sie stattdessen Verantwortung für Ihre eigenen Unzulänglichkeiten. Was Ihnen Ihre Familie und Ihr Freundeskreis gerne mal vergibt, ist für Sie als Führungskraft ein absolutes No-Go.

Jeder bekommt die Mitarbeiter, die er verdient

So schwer das auch zu akzeptieren sein mag, Ihre Firma ist stets ein Spiegel Ihres Innenlebens. Der Kontrollfreak z. B. braucht seine Herde unmündiger Schafe. Das Opfer zieht die Täter an wie der Mist die Fliegen. Die vermeintlichen Verfehlungen Ihrer Mitarbeiter sind in Wirklichkeit ein getarntes Geschenk an Sie, denn sie zeigen Ihnen mit unfehlbarer Präzision, in welchen Bereichen Sie noch an sich arbeiten müssen. Der umgekehrte Fall gilt natürlich genauso: Wenn es flutscht und Ihr Arbeitstag von Leichtigkeit und Fließen bestimmt ist, dann wissen Sie, dass Sie etwas Gutes gelernt und umgesetzt haben.

Sollten Sie sich jetzt auf den Standpunkt zurückziehen, dass es doch überall so laufe, frage ich Sie: Wenn der Wahnsinn die Normalität ist, möchten Sie dann immer noch normal sein?

© 2012 Björn Klug

Keine Lust mehr auf »normal«?

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Literatur zum Thema

Gay Hendricks - Visionäres ManagementVisionäres Management: Ein äußerst empfehlenswertes Buch für alle, die eine Firma leiten und die Prinzipien der bewussten Beziehungen in ihren Führungsstil integrieren wollen. Mit vielen Beispielen erfolgreicher ganzheitlicher Manager (u.a. den Leitern von Nike, Motorola und Silicon Graphics).

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