Mann mit Eiern

Der Weg des wahren Mannes

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der es sozial angesehen war, Männer scharenweise zu kastrieren. Schwarzer und Co. erklärten dem Macho den Krieg und begannen damit, einen neuen Typus Mann heranzuzüchten – den Softie. Verbessert hat sich natürlich nichts, denn es stellte sich heraus, dass Frauenversteher im Umgang mit dem zarten Geschlecht auch nicht besser als Chauvi funktioniert – wie zu erwarten, wenn man nur die Polarität des Problems umkehrt. Zurück bleibt ein Mann, der mehr denn je in seinem Selbstverständnis verunsichert ist. Grund genug für die Vorstellung eines Klassikers von David Deida, der sich schon vor 15 Jahren dieses untragbaren Missstandes angenommen hat.

Yin&Yang

© Elke Salzer/PIXELIO

Der Weg des wahren Mannes schmeckt anfangs wie bittere Medizin für den Mann von heute, der das Buch zunächst vielleicht empört in die Ecke feuern wird. Beim zweiten Hinschauen wird jedoch schnell klar, dass wir einen kompletten Paradigmenwechsel vollziehen müssen, wenn wir unsere wahre männliche Kraft wiedererlangen wollen. Da ist es kaum tröstlich, dass die Frauen kaum besser dran sind als wir. Der derzeitige Umgang der Geschlechter miteinander gleicht zweier Blinder, die sich  gegenseitig in Farbenlehre unterrichten wollen.

Der verwirrte Mann

Warum fallen viele Frauen immer wieder auf Machos herein oder werfen sich Männern mit Geld und Macht an den Hals? Weil sie sich in ihrem tiefsten Inneren nach männlicher Kraft sehnen. Sie haben jedoch verlernt, zwischen dem Original und dem Imitat zu unterscheiden und verwechseln die Manifestation im Außen mit der von innen gespeisten authentischen Kraft. »Immer noch besser als ein Waschlappen, den ich bemuttern muss …« scheinen sie zu denken, aber vergebens – am Ende der romantischen Phase lauern Frust und Entfremdung.

Der moderne Mann versteht dann ihre Zurückweisung auf sein Werben nicht, nicht ahnend, dass sie sich nichts mehr ersehnt, als sich seiner Männlichkeit hinzugeben, und dass ihre Ablehnung nur den Rollen gilt, die er ihr präsentiert. Er versteht auch nicht, dass sie mit seiner Art, Probleme auf intellektueller Ebene zu lösen, nur wenig anfangen kann. Verzweifelt versucht er, es ihr abwechselnd recht zu machen oder sie zu dominieren, doch vergeblich. Zunehmend wird sie zur Furie, je drängender er versucht, sie zur Befriedigung seiner Lust bewegen. Dass sie sich damit gleichzeitig auch ihrem weiblichen Wesenskern mehr und mehr entfremdet, verschlimmert die Tragödie noch.

Statt Abhilfe zu leisten, hat die Frauenbewegung die ganze Sache noch komplizierter gemacht. Zu den Machos (imitierte männliche Kraft) und Hausmütterchen (fehlgeleitete weibliche Energie) der patriarchalischen Ära gesellen sich heute noch Kampflesben (vermännlichte Frauen) und Weicheier (verweiblichte Männer).

Auf Tom Cruise könnte man stundenlang mit einem Stock einschlagen, und man würde alles Mögliche aus ihm herausbekommen – nur nicht Tom Cruise.
— Gay Hendricks 2005 in einem Seminar über seine Begegnung mit Tom Cruise

Was Frauen sich wirklich wünschen

Der souveräne Mann – in Kontakt mit seinem männlichen Wesenskern – liebt seine Frau bedingungslos und weiß, dass ihr einziger Job ist, Liebe zu empfangen, ja, Liebe zu sein. Er weiß, dass sie zu verstehen weder möglich noch notwendig ist. Er weiß, dass sie sich Führung wünscht, aber keine Dominanz, dass sie sich hingeben will, ohne unterwürfig zu sein. Er übernimmt bereitwillig Verantwortung. Ihm ist bewusst, dass ihr empfangendes Yin in Vereinigung mit seinem gebenden Yang der Schlüssel zur Ganzheit beider ist.

Wer sich von Johnny Depp in Don Juan de Marco berühren ließ, mag erahnen, wovon die Rede ist. Die Wirklichkeit des Mannseins liegt jenseits von Macho-Arsch und Softie. Und auch wenn die Frauen ihren Anteil zur derzeitigen Misere beitragen, ist es an uns Männern, den ersten Schritt zu tun.

Ein unerhörter Wegbegleiter

David Deida zeigt schonungslos auf, wie wir Männer den Teufelskreis durchbrechen können. Die Heilung liegt weder in Gleichmacherei noch im Rollentausch und auch nicht im klischeehaften »Männer und Frauen werden sich nie verstehen«. Müssen sie auch gar nicht. Sie müssen nur verstehen, dass sie in ihrer Gegensätzlichkeit absolut ebenbürtig sind. Das Buch erklärt, wie Polarität und Energie in Beziehungen in Erscheinung treten und warum ein Mann unbedingt seinen Lebenssinn kennen muss, wenn er ein kraftvoller Partner sein will. Es ist kein sozialphilosophisches Werk, sondern ein ganz pragmatischer Wegweiser zur Beziehung in vollkommener Harmonie – so wie sie ursprünglich wohl einmal gemeint war.

Ich persönlich unterstütze jedes Wort des Buches und empfehle, besonders denjenigen Stellen, die Ihnen unerhört und frevelhaft vorkommen, besondere Aufmerksamkeit zu widmen, denn dort liegt Ihr größtes Entwicklungspotential. Haben Sie die Eier, Ihre Partnerin bedingungslos zu lieben? Der Lohn wird Ihre kühnsten Träume übertreffen.

© 2011 Björn Klug
Bild: www.pixelio.de

Literatur zum Thema

David Deida - Der Weg des wahren MannesDavid Deida – Der Weg des wahren Mannes

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5 Kommentare to “Mann mit Eiern”

  1. Lieber Björn, ich bin ganz und gar nicht Deiner Meinung, und Deine Ausführungen irritieren mich. Als souveräne Frau bin ich in Kontakt mit meinem menschlichen Wesenskern – ich liebe natürlich meine Partner oder Partnerinnen bedingungslos und hingebungsvoll, doch das ist ja nicht ad definitionem weiblich. Alice Schwartzer und Co. waren und sind enorm wichtig, um Herrschafts-Strukturen aufzubrechen – die bis heute weltweit wirken – unter anderem daran festzustellen, dass Frauen sogar in diesem Land 25 % weniger verdienen als Männer, und dass Frauen in keiner Religion zum Priesteramt zugelassen sind. Da ist doch das Gejammer der Männer völlig unangebracht! Ich weiß, dass mein einziger Job ist, mich selbst zu entwickeln. Ich kann mich führen lassen oder übernehme Führung – je nachdem was dran ist. Ich pendel ständig zwischen weiblichen und männlichen Momenten und Kräften. Ich verstehe ja, dass Männer es gerade schwerhaben mit ihrer Selbstdefinition, und dass sie die Frauen beneiden um ihre Selbständigkeit, und sich davor fürchten „überflüssig“ zu werden. Aber David Deida ist sicherlich keine Alice Schwartzer für Männer. Auf alte Strategien wie Yin und Yang zurückzugreifen nenne ich doch eher ein „Zurückbauen“. Polarität kann durch ganzheitliche Menschlichkeit überstiegen werden! Menschsein ist übergeschlechtlich oder ungeschlechtlich, alles andere sind Spuren aus unserer Evolutionsgeschichte, gebunden an Stammhirnfunktionen und das Limbische System. Romantische Liebe – ein Mythos. Der Tantra-Lehrer Aziz Makaja sagt: Wenn „er“ lernt, zu dienen und sich anzubinden, und „sie“ lernt, sich aufzurichten und allein zu stehen, dann werden wir endlich gleich, und zu göttlichen Hermaphroditen. Den empfehle ich gern zur Lektüre!

  2. Liebe Iris,

    gut, dass Du nicht meiner Meinung bist, denn ich versuche, keine zu haben. Was ich geschrieben habe, entspringt meinen eigenen Beobachtungen und den Erfahrungen, die ich am eigenen Leibe bei meiner Entwicklung im Wieder-in-Kontakt-kommen mit meiner eigenen männlichen Kraft gemacht habe. Dass Dich meine Ausführungen irritieren, kann ich nachvollziehen (tatsächlich habe ich beim Schreiben oft an Dich gedacht 🙂 ) Beim Absenden des Artikels hatte ich bereits ein seltsames Bauchgefühl, da mir klar wurde, dass die wenigen Worte der Tiefe des Themas keinesfalls gerecht werden können. Das Thema polarisiert zwangsläufig – aber was soll man tun? Bei wem zwischen den Zeilen nichts anklingt, der muss den Deida ja nicht lesen. Ich habe übrigens den Deida vor 7 Jahren das erste Mal in Händen gehalten und ihn herablassend nach einem Kapitel wieder weggelegt. Heute liest er sich beinahe wie eine Autobiographie meiner Beziehungsgeschichte. Zuletzt habe ich ihn als Hörbuch zusammen mit Katharinna gehört – die ihn übrigens klasse fand, trotz oder gerade wegen der kontroversen Aussagen. Nun möchte ich gerne auf Deine diversen Punkte eingehen.

    Ich will ja gar nicht leugnen, dass die sexuelle Revolution gesellschaftlich auch viel Gutes mit sich gebracht hat, und das Aufbrechen von Herrschaftsstrukturen war sicherlich längst überfällig. Doch die Art und Weise, WIE es erreicht wurde, halte ich für höchst fragwürdig. Denn wie bei allen Anti-Bewegungen wurde vornehmlich am Symptom herumgedoktert, ohne die Wurzel des Problems zu berühren. Das Ausmaß der Bigotterie wird übrigens auch an der unheiligen Allianz deutlich, die Alice Schwarzer letztens mit der BILD eingegangen ist. Die Wurzel des Problems (genau genommen aller Probleme) liegt darin, dass Männer wie Frauen den Kontakt zu ihrem Wesenskern verloren haben. Die Umerziehung vom Macho zum Softie bringt jedoch den Mann ebenso wenig seinem Kern näher wie die Frau der Wandel vom Hausmütterchen zum »besseren Mann«.

    Meine persönliche Beobachtung an mir und meinen Mitmenschen ist nun, dass uns die Frauenbewegung in diesem Sinne wenig weiter gebracht, und mehr zur Verwirrung beigetragen hat. Von Gejammer kann im Fall von Deida und meiner Wenigkeit keine Rede sein (die jammernden Männer will ich nicht ansprechen, ebenso wenig wie die zickenden Frauen), ganz im Gegenteil behaupte ich, dass wir Männer endlich wahre Verantwortung übernehmen müssen.

    Ich stimme Dir zu (wie übrigens auch Deida), dass wir beide Pole, männlich wie weiblich, in uns tragen und diese – in unterschiedlicher Gewichtung – zum Ausdruck bringen. Deida leugnet auch nicht, dass es vom Wesen her maskuline Frauen und feminine Männer gibt. Doch es ist eine kaum bestreitbare und leicht beobachtbare Realität, dass es in dieser Welt, in der wir jetzt gerade leben, der Normalfall ist, dass Männer einen vorwiegend maskulinen und Frauen einen femininen Wesenskern haben (»normal« ist hier im Sinne von statistisch überwiegend gemeint). Es mag ja durchaus sein, dass die Zukunft des Menschen im Hermaphroditen liegt, aber derzeit müssen wir diese energetische Realität anerkennen. Sie zu leugnen, würde Gleichmacherei gleichkommen. So gesehen sind Yin und Yang keine überholten Konzepte, wie Du behauptest, sondern Symbole für die Wirklichkeit. Übrigens ist das Yin/Yang ganz allgemein das Symbol für alle Dualitäten des Lebens, in deren Auflösung (durch Vereinigung) der Schlüssel zur Glückseligkeit/Erleuchtung/whatever… liegt. Solange wir keine Hermaphroditen sind, ist einer dieser Schlüssel die Vereinigung zweier unterschiedlich polarisierter Menschen. Das ist die Grundaussage des Tantra.

    Interessant übrigens, dass Du ausgerechnet Tantra als Beispiel anführst, denn wenn sich ausnahmslos alle Strömungen des Tantra – vom Schicki-Micki-New-Age bis hin zu ernst zu nehmenden Lehrern wie Diana Richardson – über etwas wirklich einig sind, dann ist es die energetische Realität der Männlich-Weiblich-Polarität.

    »Männer beneiden die Frauen um ihre Selbständigkeit und fürchten sich davor, „überflüssig“ zu werden?« Iris, jetzt bin ich aber irritiert. Das klingt ja fast ein wenig wie RTL2-Polemik. Glaubst Du das wirklich? Es mag ja sein, dass viele Männer so etwas denken, aber welche Sorte Männer ist das? Jeder Mann, der so etwas denkt, würde damit nur die irrationale Angst vor dem Verlust einer Kontrolle offenbaren, die er ohnehin nie hatte. Ein Mann in seiner Kraft würde eine solche Aussage jedenfalls nicht machen.

    Wahre Ebenbürtigkeit erreichen wir, wenn wir allen Menschen die Freiheit geben und sie dazu ermutigen, sich entsprechend ihres wahren Wesens, ihrer Essenz, in der Welt auszudrücken. Sie wird nicht durch Geschlechterquoten erreicht. Dummerweise sind die meisten Menschen unserer Zeit mit ihrer Essenz jedoch gar nicht in Kontakt. Bis sich das ändert, werden wir nicht wissen, wie eine Welt aussähe, in der sie es wären. Würden dann wirklich genau die Hälfte aller Großkonzerne von Frauen geführt? Würden Millionen Frauen die Priesterämter stürmen? (meine Vermutung: wohl eher nicht, denn Religion würde dann zum Anachronismus) Wären 50% aller Bauarbeiter/innen dann Frauen? Hätten wir dann wirklich zur Hälfte männliche Erzieher in Kindergärten?

    Aber warum erörtern wir das nicht demnächst einmal bei einer leckeren Tasse Erdbeertee und finden gemeinsam heraus, dass wir im Grunde genau dasselbe meinen?

    Liebe Grüße

    Björn

  3. @Björn:
    Wie wir Männer sind, hängt direkt von den sexuellen Vorlieben der Frauen ab. Das ist Evolution. Deshalb haben zum Beispiel Hirsche riesige Geweihe usw.. Das trifft auch auf männliches Verhalten zu. Ein Porsche vor der Haustür ist zum Beispiel ein schwer zu fälschendes Signal von wirtschaftlicher Macht. Dass viele Männer so ein Verhalten seit Jahrtausenden anstreben, liegt an der sexuellen Selektion durch Frauen. ( http://de.wikipedia.org/wiki/Signaling_(Verhaltensbiologie) )
    Die jeweiligen Männer-Rollen (Softie/Macho) müssen jedoch auch nicht fix sein. Je nach Frau oder sogar je nach Zeitpunkt im Menstruationszyklus kann ein anderes Verhalten passen. Evolutionär gesehen streben Frauen für ihre Kinder nach den Genen eines Macho-Manns und suchen sich für das Großziehen der Kinder einen Softie. Dabei kommt Frauen zu Gute, dass meist nur sie wirklich wissen, wer die Väter ihrer Kinder sind. Andersrum spielen auch Männer die Doppelrolle: der einen Frau machen sie den Hengst und der anderen die Butterbrote.
    Es ist also ganz natürlich, dass sich das Verhalten von Männern zwischen diesen zwei evolutionären Polen abspielt. Und welche subtilen Lebenssituationen uns mehr zum einen oder zum anderen Pol neigen lässt, ist lange bekannt. ( http://de.wikipedia.org/wiki/Das_egoistische_Gen )
    Ich empfinde diese Gedanken als befreiend, denn zu wissen, dass wir aus gutem, natürlichen Grund gar nicht anders können als widersprüchlich zu sein, enthebt mich von der gesellschaftlichen Erwartung, mich für eine dieser Rollen entscheiden zu müssen.

    @Iris:
    „…dass Frauen in keiner Religion zum Priesteramt zugelassen sind“. Bei den Lutheranern sind Frauen doch schon seit langem Priester…und ich bezweifle, dass es ansonsten viele Frauen als erstrebenswertes Ziel sehen, diesen fragwürdigen Beruf zu ergreifen.

    • @Frank, ich habe nochmal über die Protestanten nachgedacht. Ja, es gibt Ausnahmen. Ich wollte auf etwas anderes hinaus, nämlich auf Herrschaftsstrukturen, die sich u.a. auch in der Religion ausdrücken, so wie in Staat, Bildungswesen oder Wirtschaft. In vielen Teilen der Welt herrscht noch immer der Glaubenssatz, dass Mädchen verkauft werden dürfen, zwangsverheiratet, geschlagen, sogar abgetrieben, weil Jungen als wertvoller gelten. Und das sind keine Ausnahmen. Ich habe mich immer gefragt, was der Ursprung dieser Überzeugung ist, der übrigens beide Geschlechter verfallen sind. Ob es eine biologische Ursache dafür gibt, etwa die körperliche Überlegenheit der Männer, oder ob die Ursache in der Geschichte der Zivilisation und in den Kämpfen zwischen Matriarchat und Patriarchat zu sehen sind, die das Patriarchat für sich entschieden hat. Alice Schwarzer ist eher eine Vertreterin der „Testosteron-Theorie“. Ich kann mir vorstellen, dass beides eine Rolle spielt.
      Übrigens hat mir das Bild von dem Hirsch gefallen und dem riesigen Geweih. Ich möchte die Frage stellen, ob es nicht möglich ist, dass wir die einzigen Hirsche sind, die ihr Geweih auch ablegen können. Thomas Mann nennt den Menschen das Zwischenwesen zwischen Tier und Engel. Ich erlebe das „Jenseits der Geschlechter“ als sehr befreiend, und ich habe immer „dazwischen“ gelebt.

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