Die perfekte Bewerbung, Teil 3/8 – Lebenslauf, Foto und Dritte Seite

Der tabellarische Lebenslauf soll das komplette berufliche Leben eines Bewerbers widerspiegeln und lückenlos Auskunft über seine Ausbildung und seine Berufserfahrung geben. Er liefert dem Arbeitgeber die harten Fakten, wenn er durch Ihr Anschreiben neugierig auf Sie geworden ist. Die Zeiten starrer Regeln bei seiner Gestaltung sind zwar längst vorüber, dennoch gibt es einige Richtlinien zu beachten, damit der Leser relevante Informationen schnell erfassen kann.

In der Regel reicht es nicht, seinen Lebenslauf einmal anzufertigen und dann unverändert für alle folgenden Bewerbungen zu verwenden. Er sollte hingegen für jede Stelle neu angepasst werden, denn obwohl er lückenlos sein soll, ist es nicht nur erlaubt, sondern auch sinnvoll, bestimmte Informationen hervorzuheben, auf die ein Arbeitgeber vielleicht besonderen Wert legt, oder andere wegzulassen, die für die entsprechende Stelle nicht interessant sind.

Wenn Sie die im Folgenden beschriebenen Gestaltungsrichtlinien beachten, bleibt Ihnen immer noch ein großer Spielraum, um Ihrem Lebenslauf eine persönliche Note zu geben, durch die Auswahl der Schriftarten, -stile und -größen, Linien oder auch die vorsichtige Verwendung von Farben. Eine Sammlung von Word-Dokumentenvorlagen (jeweils aufeinander abgestimmte Vorlagen für Lebenslauf und Anschreiben) stelle ich zum Download zur Verfügung:

Download: Word-Mustersammlung für Lebenslauf und Anschreiben (ZIP-komprimiert)

Oberstes Gebot: lesbar und übersichtlich

Dieses Gebot sollten Sie beim Schreiben stets im Hinterkopf behalten und sich immer wieder fragen:

  1. Sind alle für diese Stelle wichtigen Informationen vorhanden?
  2. Habe ich alle für diese Stelle unwichtigen Informationen weggelassen oder in den Hintergrund gerückt?
  3. Ist die Information für den Leser schnell erfassbar?

Denn ich erinnere daran: Ein Personaler beschäftigt sich im Schnitt nur 2-3 Minuten mit einer Bewerbung. Damit Sie die erforderliche Prägnanz erreichen können, hier ein paar grundsätzliche Richtlinien:

  • Maximal 2 Seiten! Am besten nur eine. Wenn Sie mehr als 2 Seiten brauchen, müssen Sie weiterdestillieren. Es gibt nur sehr, sehr wenige Ausnahmen von dieser Regel, wie den Lebenslauf eines 60-jährigen Außendienstmitarbeiters, der in seinem Leben für 20 verschiedene Unternehmen gearbeitet hat.
  • Keine Redundanz: Informationen sollten möglichst nicht mehrfach vorkommen. Die Wiederholung der eigenen Kontaktdaten im Kopfbereich z. B. halte ich für Platzverschwendung und wenig zweckmäßig. Kein »Ausbildung zur …«, »Tätigkeit als …« oder »Fortbildung zum …«, denn diese Information ist in der Überschrift des Abschnitts schon enthalten.
  • Tabellarisch bedeutet: links die Zeitangaben, rechts die Tätigkeitsbeschreibungen, beides an gedachten senkrechten Linien ausgerichtet, wobei die Zeitangaben durchaus auch rechtsbündig sein dürfen.
  • Layout: Verwenden Sie graphische Elemente wie Linien und Farben sparsam und vorzugsweise im Sinne besserer Lesbarkeit, weniger als reine Verzierung.

Aufbau und Form des Lebenslaufes

Amerikanisch oder klassisch?

Früher hat man streng chronologisch die Schulbildung zuerst und die letzte Berufserfahrung zuletzt aufgeführt. Diese Form widerspricht jedoch dem Grundsatz, dass die wichtigste Information als erstes ins Auge fallen soll. Denn welchen Arbeitgeber interessiert schon, wo Sie vor 40 Jahren in die Grundschule gegangen sind? Manchmal wird noch auf die klassische Form zurückgegriffen, wenn die jüngeren Lebensabschnitte des Bewerbers wenig Rühmliches aufzuweisen haben (z. B. lange Arbeitslosigkeit) und dies verdeckt werden soll.

In der Regel jedoch ist die sog. »amerikanische« Variante heute Standard, bei der alle Positionen innerhalb eines Abschnitts in zeitlich absteigender Reihenfolge aufgeführt werden. Die Reihenfolge der Abschnitte kann jedoch variieren. Wenn Sie z. B. zuerst eine Berufsausbildung abgeschlossen und danach Ihren Zivildienst abgeleistet haben, würde der Abschnitt »Zivildienst« über dem Abschnitt »Ausbildung« stehen. Für den überwiegenden Teil der Bewerber wird der erste Abschnitt nach den persönlichen Angaben also die Berufserfahrung sein.

Die einzelnen Abschnitte

  • Kopfbereich, enthält mindestens die Überschrift »Lebenslauf«, evtl. Ihren Namen (empfohlen) und Ihre Kontaktdaten (nicht empfohlen, s. u.).
  • Persönliche Angaben.Möglich sind
    • Name (nur wenn nicht im Kopfbereich genannt)
    • Anschrift
    • Telefon
    • Mobil
    • E-Mail
    • Homepage
    • Geburtsdatum, -ort
    • Geburtsname
    • Familienstand und Kinder
    • Konfession
    • Staatsangehörigkeit

Tipp: Verzichten Sie hierbei auf einen anschließenden Doppelpunkt.

  • Berufserfahrung. Alternative Überschriften: Berufspraxis, Berufliche Laufbahn, Beruflicher Werdegang

Tätigkeitsbezeichnung
Firmenname, Ort
Auflistung einzelner Tätigkeiten (optional, Empfehlung: als Liste formatiert oder kursiv)

  • Fort- und Weiterbildung

Lehrgangsbezeichnung
Name der Schule, Ort
Abschluss: Bez. des Abschlusses (nur bei staatlich oder von Berufsverbänden (IHK etc.) anerkannten Abschlüssen)

  • Praktika, Format wie bei beruflichen Tätigkeiten
  • Ausbildung/Studium. Wenn Sie z. B. nur studiert haben, lautet die Überschrift natürlich nur »Studium«. Lediglich, wenn Sie zusätzlich auch eine Berufsausbildung absolviert haben, schreiben Sie »Ausbildung/Studium«

Studiengang oder Berufsbezeichnung
Name der Bildungseinrichtung oder des ausbildenden Unternehmens, Ort
Ausbildungsschwerpunkte, Thema der Abschlussarbeit o. ä. (normalerweise nur bei Absolventen sinnvoll)
Abschluss: Bez. des Abschlusses (evtl. Note, s. u.)

  • Auslandsaufenthalte, optionaler Abschnitt. Aufenthalte im Ausland können auch bei den beruflichen Tätigkeiten untergebracht werden
  • Wehr-/Ersatzdienst (optional)

Tätigkeit (optional, s. u.)
Name der Dienststelle, Ort

  • Schule

Name der Schule, Ort
Abschluss: <Bez. des Abschlusses> (sofern vorhanden)

  • Kenntnisse und Fähigkeiten
    • (Fremd-)Sprachen
    • EDV
    • Führerschein
  • Sonstiges/Interessen/Hobbys (optional)
  • Ort, Datum und Unterschrift

Allgemeine Tipps zur Formatierung

  • Schriftbild: max. 3 Schriftgrößen (normalerweise reichen 2 – eine für die Überschriften und eine für den restlichen Text) und max. 2 Schriftarten (wenn Sie eine Serifenschrift für den Text verwenden, können Sie eine serifenlose für die Überschriften wählen.
  • Schriftgröße: 10-12 pt, wobei 10 pt bei den meisten Schriftarten eher zu klein ist
  • Alle Zeitangabenwerden im Format Monat/Jahr gemacht. Beispiele:
    • gut:
      03/2005 – 12/2006
      03.2005 – 12.2006
    • schlecht:
      03/2005 bis 12/2006
      März 2005 – Dezember 2006
      Mär. 2005 – Dez. 2006
  • Hervorhebungen: Was dem Leser zuerst ins Auge fällt, sind fett gedruckte Textteile. Nutzen Sie diese Textauszeichnung für die Hervorhebung der allerwichtigsten Informationen in Ihrem Lebenslauf.
  • Linien: In Word ist die »Rahmenlinie unten« die einfachste Art, Überschriften mit einer Linie zu versehen, die über die gesamte Textbreite geht. Um Platz für das Foto zu machen, kann die Linie dann schlicht über den rechten Absatzeinzug verkürzt werden. Der Linienstil (gepunktet, andersfarbig etc.) sorgt für einen individuellen Touch mit minimalem Aufwand.
  • Verwenden Sie keine ganzen Leerzeilen als Abstand zwischen den Absätzen. Das ist erstens Platzverschwendung und sieht außerdem zerfleddert aus. Lassen Sie jeden Absatz für seinen Abstand nach oben hin sorgen, über die Einstellung »Abstand vor Absatz« im Absatzformat. 3-6 Punkt sorgen für ein harmonisches Layout.
  • Kein Blocksatz!
  • Silbentrennung einschalten, ohne wirkt das Schriftbild unruhig
  • Ränder: Mit den Standardeinstellungen in Word können Sie nichts falsch machen. Manchmal muss man sich allerdings ein wenig Platz verschaffen; vor allem der Kopfbereich darf ruhig etwas weiter oben anfangen. Empfehlungen:
    • rechts min. 2 cm (damit man das Dokument noch lochen kann)
    • links min. 1,5 cm
    • oben min. 1,0 cm
    • unten min. 1,5 cm

Inhalt des Lebenslaufes

Allgemeines

Der Aufbau Ihrer Unterlagen folgt einem »Eskalationsprinzip«:

Stufe 1: In Ihrem Anschreiben haben Sie den Leser mit den »Perlen« Ihrer Kompetenzen hoffentlich neugierig gemacht.

Stufe 2: Haben Sie das erreicht, vermittelt Ihr Lebenslauf einen tieferen Eindruck von Ihren Erfahrungen und Fähigkeiten.

Stufe 3: Ist der Leser nun wirklich an Ihnen interessiert, wird er sich zwecks detaillierter Information Ihren Zeugnissen und Referenzen widmen.

Belasten Sie den Leser also nicht mit unnötigen Wiederholungen, damit er möglichst schnell möglichst viel über Sie erfahren kann.

Tipp: Überfrachten Sie Ihren Lebenslauf nicht mit Details. Wenn Ihre Zeugnisse vollständige Tätigkeitsbeschreibungen aufweisen, müssen diese nicht im Lebenslauf wiederholt werden. Führen Sie nur diejenigen Erfahrungen auf, die für die angestrebte Position wirklich interessant sind.

Tipp: In den allermeisten Fällen empfiehlt sich eine Hervorhebung (z. B. Fettdruck) Ihrer Tätigkeiten und Ihrer Abschlüsse, so dass ein Leser beim ersten Überfliegen beispielsweise lesen würde:
»Geschäftsführer — Leiter Human Resources — Teamleiter Personalentwicklung — Sachbearbeiter — Mediator — Dipl.-Kfm. — Abitur«

Lückenlos: Nach Ihrem Schulabschluss sollten keine unbelegten Zeiten von über 3 Monaten vorkommen. Ansonsten riskieren Sie, dass Ihre Bewerbung schon im ersten Durchgang aussortiert wird. Das bedeutet gleichzeitig, dass Sie sehr kurze Beschäftigungsverhältnisse nicht angeben müssen, wenn die dadurch entstehende Lücke 3 Monate nicht überschreitet, denn Tätigkeiten, die innerhalb der Probezeit schon wieder endeten, vermitteln keinen guten Eindruck.

Nun zum Inhalt der einzelnen Abschnitte.

Kopfbereich

Noch über die Überschrift »Lebenslauf« können Sie Ihren Namen setzen, am besten in einem Layout, das mit dem Briefkopf Ihres Anschreibens harmoniert.

Tipp: Manche bringen hier ihre Kontaktdaten unter, ähnlich einem Briefkopf. Ich empfehle, Ihre Kontaktdaten im Abschnitt »Persönliche Angaben« unterzubringen, da dort sonst nur, etwas vereinsamt, Ihre Geburtsdaten und Ihr Familienstand stehen würden.

Persönliche Angaben

  • Ihr Name: Wenn Sie ihn schon im Kopf angegeben haben, sollten Sie ihn nicht noch einmal wiederholen. Meist empfiehlt sich auch die Angabe akademischer Titel und Grade, z. B. »Dipl.-Psych. Hanna Schräg«.
  • Anschrift: kann in eine Zeile und muss nicht in Straße und Ort aufgeteilt werden, was Platzverschwendung wäre. Es sei denn, das Foto passt sonst nicht rechts daneben.
  • Telefon: Geben Sie bitte nur Nummern an, unter denen Sie gut erreichbar sind.
  • Handynummer: wenn vorhanden, empfehle ich die Angabe zwecks erhöhter Erreichbarkeit.
  • E-Mail-Adresse: Bitte nur angeben, wenn es ihre eigene ist und wenn Sie sie auch regelmäßig abrufen.
  • Geburtsdatum, -ort: gehört dazu. Ihr Alter lässt sich ohnehin aus den anderen Daten Ihres Lebenslaufes ermitteln.
  • Geburtsname: sollte angegeben werden, wenn Zeugnisse beiliegen, die auf einen früheren Familiennamen ausgestellt sind.
  • Familienstand: entweder »ledig« oder »verheiratet«. Ob Sie geschieden, getrennt lebend oder verwitwet sind, geht den Arbeitgeber nichts an. Die Angabe einer Lebenspartnerschaft bleibt Ihnen ebenfalls freigestellt.
  • Kinder: Die Angabe ist nicht Pflicht, doch spätestens auf Ihrer Steuerkarte wird der Arbeitgeber diese Information ohnehin entdecken.

Tipp: Besonders Frauen und Alleinerziehende sollten nach der Angabe vermerken, dass die Kinderbetreuung gesichert ist, da den meisten Arbeitgebern die Vorstellung einer Mutter, die häufig wegen ihres kranken Kindes ausfällt, unangenehm ist.

Beispiel: »ledig, 2 Kinder (Betreuung gesichert)«

  • Homepage: Nur in Ausnahmefällen anzugeben, wenn der Inhalt Ihrer Homepage einen Bezug zum angebotenen Job hat.
  • Konfession: sollte nur angegeben werden, wenn Sie sich bei einer kirchlichen Einrichtung bewerben.
  • Staatsangehörigkeit: Wenn Sie sich als Deutscher in Deutschland bewerben, können Sie die Angabe weglassen. Nur wenn Ihr Name Anlass zu der Vermutung gibt, dass Sie eine andere Staatsangehörigkeit haben, sollten Sie sie sicherheitshalber angeben.

Achtung: Die Angabe der Namen und Berufe der Eltern ist schon lange nicht mehr üblich!

Achtung: Akademische Grade werden abgekürzt immer mit Bindestrichen geschrieben!
richtig: Dipl.-Ing., Dipl.-Psych., Dipl.-Biol. usw.
falsch: Dipl. Chem., Dipl. Betriebsw.

Berufserfahrung

Hier werden alle Zeiten angegeben, die nicht in einen der anderen Abschnitte hineinpassen, wie

  • Beschäftigungsverhältnisse, Beispiel:

Verkäuferin
Schicke Sachen GmbH & Co. KG, Wolfsburg
Kundenberatung, Lagerhaltung, Kasse

Tipp: In der ersten Zeile nennen Sie die Tätigkeit und nicht die Firma, da es normalerweise wichtiger ist, was Sie gemacht haben und nicht, wo Sie es gemacht haben. Manchmal ist es jedoch auch umgekehrt, z. B. wenn Sie als Koch in den besten Restaurants Europas gearbeitet haben. Dann wäre es wenig sinnvoll, »Koch – Koch – Koch – …« hervorzuheben.

Achtung: Geben Sie den Firmennamen mit Gesellschaftsform exakt so an, wie auf Ihrem Arbeitszeugnis, bzw. auf dem Briefkopf der Firma angegeben.

Wenn Sie sich aus einem laufenden Beschäftigungsverhältnis bewerben, geben Sie den Zeitraum als z. B. »seit 10/2009« an.

  • Selbstständigkeit, Beispiele:

Freiberuflicher Architekt
Berlin

Selbstständiger Kurierfahrer
Mannis Blitztransporte, Herne

Inhaber
Kiosk „Alkis Himmel“, Castrop-Rauxel

  • Zeiten der Nichtbeschäftigung, wie z. B. Arbeitslosigkeit, Orientierungsphasen, Familien-/Elternzeit, Pflege eines Angehörigen usw.

Tipp: Arbeitslosigkeit tragen Sie als »Arbeit suchend« ein (exakt so, nach neuer Rechtschreibung). Manchmal wird behauptet, »Aktive Stellensuche« klinge progressiver – klingt für mich höchstens wie aus einem schlechten Bewerbungsratgeber abgeschrieben. Ihre aktuelle Arbeitsuche brauchen Sie allerdings erst zu erwähnen, wenn sie bereits über 3 Monate andauert. Dann lautet der oberste Beitrag z. B. »seit 10/2011 Arbeit suchend«

Tipp: Besonders Frauen können längere Arbeitslosigkeit hier getrost als Familienzeit deklarieren, sofern sie im betreffenden Zeitraum Mutter eines minderjährigen Kindes waren. Bis 6 Monate Arbeitssuche wird man Ihnen nicht als Makel anrechnen, wenn sie jedoch diesen Zeitraum deutlich übersteigt, sollten Sie entweder gute Gründe dafür haben oder sich überlegen, ob Sie nicht doch so etwas wie eine Orientierungsphase eingelegt haben.

Tipp: Orientierungsphasen sind nur glaubhaft, wenn sie auch ein Ergebnis hatten. Wenn Sie 10 Jahre als Personalsachbearbeiter gearbeitet haben und dann nach 1-jähriger Pause wieder den gleichen Job machen, machen Sie sich unglaubwürdig.

Tipp: Krankheitszeiten sind ein heikles Thema und sollten nicht also solche im Lebenslauf erscheinen, es sei denn, sie hatten z. B. einen Unfall und können aufzeigen, dass sie vollständig genesen sind. Fragen nach Ihrem Gesundheitszustand sind übrigens ohnehin nicht zugelassen, außer sie stehen im direkten Zusammenhang mit der Tätigkeit. Wenn Sie sich z. B. als Berufskraftfahrer bewerben, dürfen Sie nicht verschweigen, wenn Sie Alkoholiker sind.

Achtung: Ein wenig »Kosmetik«, um sich im bestmöglichen Licht darzustellen, ist manchmal durchaus angemessen, gerade wenn schwierige Lebensphasen erfolgreich bewältigt wurden. Alle Angaben sollten jedoch zumindest noch einen Restbezug zur Realität haben. Von groben Lügen (z. B. 3-jährige Alkoholexzesse in der Spielhalle als Selbstständigkeit zu kaschieren) rate ich dringend ab, da sie spätestens im Bewerbungsgespräch auffliegen.

Fort- und Weiterbildung

Hier geben Sie Lehrgänge, Seminare, Umschulungen, Workshops, Sprachkurse etc. an. Beispiel:

Veranstaltungskaufmann
XYZ Bildungsinstitut, Berlin
Abschluss: Prüfung vor der IHK

Tipp: Die angegebenen Bildungsmaßnahmen sollten nicht mehr als 5 Jahre zurückliegen. Ausnahme: Umschulungen und Bildungsmaßnahmen mit anerkannten Abschlüssen.

Praktika

Für Praktika gilt ebenfalls: nur relevante und nicht zu lange her. Ihre Angabe ist vorwiegend für Berufsanfänger sinnvoll, oder wenn sie als Qualifizierungsmaßnahme für Ihren nächsten Job dienten.

Ausbildung/Studium

Beispiel Studium:

Wirtschaftsinformatik
Technische Universität Chemnitz
Abschluss: Bachelor of Science

Tipp: Abschlussnoten gehören nicht auf den Lebenslauf, um den Leser nicht mit Information zu überfrachten. Bei Interesse können sie den beiliegenden Zeugnissen entnommen werden. Ausnahme: Hervorragende Noten und Auszeichnungen (Prädikatsexamen, summa cum laude, magna cum laude etc.)

Tipp: Wenn Sie mit Diplom abgeschlossen haben, geben Sie als Abschluss »Diplom« an, und nicht »Dipl.-Ing.«.

Wenn Sie an mehreren Universitäten studiert haben, führen Sie alle Zeiten einzeln auf.

Beispiel Ausbildung:

Kfz-Mechatroniker
Autohaus Platten, Bergisch Gladbach
Abschluss: Gesellenbrief

Tipp: Die Voranstellung von »Studium als …« oder »Ausbildung zum …« behindert lediglich den Lesefluss und kann getrost weggelassen werden.

Tipp: Ob die Berufsbezeichnung oder der Abschluss hervorzuheben ist, kann im Einzelfall unterschiedlich sein.

Achtung: Wenn sie den Abschluss nicht angeben, bedeutet das automatisch, dass Sie die entsprechende Ausbildung ohne Abschluss beendet haben. Sie müssen nicht explizit »ohne Abschluss« oder »abgebrochen« angeben.

Auslandsaufenthalte

Dies ist ein optionaler Abschnitt, z. B. für Au-pair-Aufenthalte. Da Sie in dieser Zeit evtl. weder gearbeitet noch sich fortgebildet haben, ist die Angabe erforderlich, um keine Lücke im Lebenslauf zu haben. Manchmal wird dieser Punkt auch verwendet, um Gefängnisaufenthalte zu vertuschen.

Wehr-/Ersatzdienst

Wenn Ihre Tätigkeit keinen Bezug zur Stelle hat, für die Sie sich jetzt bewerben, geben Sie einfach nur die Einrichtung und den Ort an:

3./FArtBtl 179, Münster

oder schlicht:

Grundwehrdienst (bzw. Zivildienst)

oder Sie können die Angabe auch ganz weglassen.

Ansonsten, z. B. bei einer Bewerbung als Notfallmediziner:

Rettungssanitäter
Krankenhaus St. Maria, Wolfsburg

Schule

Hier geben Sie nur die Schulen an, an denen Sie tatsächlich einen Abschluss erworben haben, also nicht die Grundschule. Ausnahme: Sie sind Berufsanfänger und haben sonst nichts, um Ihren Lebenslauf zu füllen. Beispiel:

Goethe-Gymnasium, Oberhausen
Abschluss: Abitur

Andere Abschlüsse: Hauptschulabschluss (evtl. mit Qualifikationsvermerk), Fachhochschulreife, Fachoberschulreife, Mittlere Reife. Haben sie keinen Schulabschluss, geben Sie nur die letzte Schule an, die Sie besucht haben. Die Angabe »ohne Abschluss« ist nicht erforderlich. Auch hier brauchen Sie keine Abschlussnoten anzugeben, es sei denn, Sie bewerben sich um einen Ausbildungsplatz als Bankkauffrau und wollen mit einem Einser-Abitur glänzen.

Kenntnisse und Fähigkeiten

  • Sprachkenntnisse, Beispiel:

Englisch – verhandlungssicher
Französisch – sehr gut
Türkisch – Muttersprache
Deutsch – Grundkenntnisse

Tipp: Wenn Deutsch nicht Ihre Muttersprache ist, schreiben Sie in die linke Spalte »Sprachen« und geben alle Sprachen an, die Sie sprechen, ansonsten ist der Titel »Fremdsprachen«.

Das Bewertungsschema für Sprachkenntnisse in absteigender Wertung:

1. Muttersprache
2. verhandlungssicher (praktisch so gut wie Muttersprache, nicht zwingend akzentfrei)
3. fließend (normale Alltags- und Fachkonversation wird leicht bewältigt)
4. sehr gut
5. gut
6. Grundkenntnisse

Tipp: Vor längerer Zeit in der Schule erworbene aber nie aktiv verwendete Sprachkenntnisse werden am besten unverfänglich als »Schulkenntnisse« bewertet.

  • EDV, Beispiele:

Microsoft Word, Excel – gut
Microsoft PowerPoint – Anwenderkenntnisse
Maschinenschreiben mit 320 Anschlägen/Minute
Internetanwendungen
SAP R/3 FI – Experte
SAP R/3 CO – Grundkenntnisse

Achtung: Immer wieder findet man hier Einträge wie »gute Office-Kenntnisse«. Das würde bedeuten, dass Sie sich in allen Applikationen des Office-Pakets gut auskennen, und das sind: Word, Excel, Outlook, PowerPoint, Access, Visio, Publisher, OneNote und InfoPath. Ich habe bisher noch niemanden persönlich kennengelernt, der das wirklich von sich behaupten könnte. Wenn Sie also peinliche Nachfragen im Bewerbungsgespräch vermeiden wollen, bleiben Sie näher an der Wahrheit und übertreiben nur ein bisschen.

  • Führerschein, Beispiel:

Klassen B, C1E, Staplerschein

Sonstiges, Interessen und Hobbys

Hier können Sie ehrenamtliche Tätigkeiten oder soziales Engagement anführen. Ihre Mitarbeit bei einer Gewerkschaft an dieser Stelle zu erwähnen, ergibt höchstens Sinn, wenn Sie sich bei einer Gewerkschaft bewerben.

Achtung: Ein Wort zum Thema Hobbys: Ich persönlich halte die Angabe in den allermeisten Fällen zumindest für fragwürdig. Grund: Sie haben keinerlei Einfluss darauf, ob der Leser neugierig auf Sie wird, wenn Sie Fallschirmspringen als Hobby angeben oder ob er risikofreudige Menschen von vornherein ablehnt. Überlegen Sie sich also gut, was Sie mit der Angabe eines evtl. exotischen Hobbys aussagen wollen. Das viel gesehene »Schwimmen, Lesen, Radfahren« sagt rein gar nichts über Sie aus. Weglassen!

Ort, Datum und Unterschrift

Am Ende Ihres Lebenslaufes mit einem Abstand von 2 Zeilen setzen Sie Ort und Datum ein. Form: »Köln, 13.09.2011«

Achtung:

    • Kein »den«, also nicht »Münster, den 31.01.2013«
    • Das Datum muss mit dem Datum des Anschreibens übereinstimmen und ist gleich dem Tag, an dem die Bewerbung versendet wird.

Bei Ihrer Einstellung wird Ihr Lebenslauf zu einem rechtsverbindlichen Dokument als Teil Ihres Arbeitsvertrages. Daher ist Ihre handschriftliche Unterschrift in dokumentenechter Tinte (am besten in blauer Farbe) erforderlich. Position: linksbündig unter dem Ort.

Die »dritte Seite«

Die sogenannte »dritte Seite« hat ihren Namen von der Zählweise Anschreiben (1) – Lebenslauf (2) – Dritte Seite (3) und ist ein optionaler Teil Ihrer Bewerbungsunterlagen. Auf ihr können Sie Informationen unterbringen, die aus Anschreiben, Deckblatt, Lebenslauf, Zeugnissen und Referenzen ansonsten nicht hervorgingen, für den Arbeitgeber aber von Interesse sein könnten. Typische Verwendungsmöglichkeiten sind:

  • Projektübersicht, Ausstellungen
  • Kompetenzprofil (wenn die fachlichen Kompetenzen den Abschnitt »Kenntnisse und Fähigkeiten« sprengen würden)
  • Veröffentlichungslisten
  • Tätigkeitsbilanz
  • »Was Sie sonst noch über mich wissen sollten«, Motivation (nützlich eher bei jungen Menschen, die z. B. einen Ausbildungsplatz suchen)

Sie sollte dem Layout des Lebenslaufes angeglichen sein und den gleichen Richtlinien an Übersichtlichkeit und Prägnanz genügen. Lange Fließtexte sind nicht ratsam, da sie meist nicht gelesen werden.

Das Bewerbungsfoto

Häufig kommt die Frage, ob ein Foto denn wirklich Pflicht sei. Nein, es ist keine Pflicht. Und nun versetzen Sie sich in die Lage eines Arbeitgebers, der eine Mappe mit einem sympathischen Foto und daneben Ihre Mappe, jedoch ohne Foto, vor sich liegen hat. Wen würden Sie eher zum Gespräch einladen? Was also beispielsweise in den USA längst Standard ist (kein Foto und keine persönlichen Angaben), hat sich bei uns noch lange nicht durchgesetzt. Wenn Sie den Job also wirklich wollen, investieren Sie in ein gutes Bewerbungsfoto.

  • Was kostet ein gutes Bewerbungsfoto? Kurz gesagt: 40-50 € sollten Sie schon einkalkulieren (inkl. 4-6 Abzüge). Ein absolutes »Nein!« zu selbstgemachten Fotos, etwa gar mit Blitzschatten auf der Raufasertapete, Automatenfotos oder Fotos für unter 20 € im Hinterzimmer vom Fotoladen in der Fußgängerzone. Ein professioneller Fotograf wird Sie bei der Auswahl der Kleidung beraten (nehmen Sie eine Auswahl verschiedener Oberteile, Krawatten etc. mit) und Ihr Bild hinterher per digitaler Bildbearbeitung fachgerecht aufpolieren. Für einen geringen Aufpreis bekommen Sie Ihre Bilder auch digital, sodass Sie sie auch direkt auf Ihren Lebenslauf drucken (wenn Sie einen sehr guten Drucker haben!) oder für den Versand als E-Mail verwenden können.
  • Farbe oder Schwarz-Weiß? Da gehen die Geschmäcker auseinander, und Sie dürfen sich aussuchen, womit Sie sich am wohlsten fühlen. Meine Empfehlung: Farbe kommt grundsätzlich freundlicher daher. Eine Zeitlang waren schwarz-weiße Fotos sozusagen Standard, inzwischen geht der Trend wieder mehr zur Farbe, vor allem für die großformatige Verwendung auf dem Deckblatt.

Tipp: Bei manchen Berufsgruppen (z. B. Juristen) gelten schwarz-weiße Fotos weiterhin als Standard.

  • Kleidung: Als Faustregel gilt: Etwas besser anziehen, als Sie im Berufsleben gekleidet sind. Für die Bewerbung als Kfz-Mechaniker wäre es unangemessen, sich in Nadelstreifenanzug mit Schlips ablichten zu lassen. Für Männer muss es auch nicht immer eine Krawatte sein. Meist wird man Ihnen ansehen, wenn Sie sich in Ihrer Kleidung nicht wohlfühlen.
  • Freundlich, sympathisch und authentisch: Sie dürfen lächeln.
  • Format: bei Verwendung auf dem
    • Lebenslauf: ca. 4,5 x 6 cm
    • Deckblatt: deutlich größer, je nach Gestaltung des Deckblattes.

Tipp: Für’s Deckblatt eignen sich querformatige Fotos besonders, auf denen nur das Gesicht des Bewerbers gezeigt wird.

  • Position bei Verwendung auf dem
    • Lebenslauf: rechts oben so dass es möglichst bündig mit den Seitenrändern abschließt (die in der Textverarbeitung eingestellt sind). Der freie Platz rechts neben den persönlichen Angaben bietet sich dafür an. Dabei ist zu beachten, dass der Blick des Bewerbers nach links gerichtet sein sollte.
    • Deckblatt: abhängig vom Design des Deckblatts und der Blickrichtung auf dem Foto.

Tipp: Hier das einfachste Vorgehen zum Einfügen Ihres Bewerbungsfotos in Word (Telegrammstil):

    • EinfügenGrafikaus Datei…
    • Größe der Grafik an einer der Ecken mit gedrückter Umschalt-Taste anpassen (oder in der nächsten Dialogbox unter Größe millimetergenau einstellen)
    • Doppelklick auf eingefügte Grafik – LayoutVor den Text
    • Klick auf Weitere – Häkchen bei Objekt mit Text verschieben entfernen

Nun können Sie das Foto frei positionieren, ohne dass es Ihren Text durcheinander bringt.

Häufige Fehler

  • Zu kleine Schriftart, gequetschte Information
  • Zu viele Schriftauszeichnungen (fett, kursiv, unterstrichen) und Schriftgrößen
  • Fehlende Monatsangaben: Wenn für die Zeiträume nur Jahresangaben gemacht werden (z. B. 2003-2005), dann entsteht der Verdacht der Vertuschung von Lücken im Lebenslauf. Wenn Ihr Lebenslauf keine Lücken aufweist, geben Sie durchgängig immer die Monate mit an. Wenn doch, dann ist es immer noch besser, die Lücken zu füllen (die viel strapazierte »Orientierungsphase«), als sie auf diese plumpe Art zu vertuschen.
  • Tagesgenaue Datumsangaben sind überflüssig und belasten das Auge unnötig. Bleiben Sie durchgängig bei Monat/Jahr.
  • Überflüssiger Text: »Tätigkeit als … bei«, »Studium der …«
  • Binde- und Gedankenstriche: Sehr unschön bei Zeitangaben, wenn zwischen Bindestrich (-) und Gedankenstrich (–) gewechselt wird. Schuld ist die automatische Ersetzung durch Word bei der Eingabe.
  • Doppelte Leerzeichen und Leerzeichen vor Kommas und anderen Satzzeichen. Beispielsweise werden vor und nach einem Schrägstrich (/) keine Leerzeichen gesetzt, auch wenn es manchmal seltsam aussieht. Vor Bindestrichen steht niemals ein Leerzeichen, Gedankenstriche werden jedoch immer mit Leerzeichen davor und danach abgesetzt.

Zum vorigen Artikel: Teil 2: Stellenangebot

Zum nächsten Artikel: Teil 4: Anschreiben

© 2016 Björn Klug

Dokumente zum Thema

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2 Kommentare to “Die perfekte Bewerbung, Teil 3/8 – Lebenslauf, Foto und Dritte Seite”

  1. Du bist klasse – danke für die Arbeit – was machst Du beruflich weshalb kümmerst Du dich so um die Menschen
    Danke nochmal Alex

  2. super Hilfe nach neuen Erkenntnissen!!!!

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