Widerstand ist zwecklos

Resistance is useless!
The Vogons

Resistance is futile!
The Borg

No resistance.
Thaddeus Golas

Alle drei hatten Recht, aber nur der Dritte wusste, wovon er sprach. Thaddeus Golas hat uns mit seinem Wegweiser zur Erleuchtung für Faule eine zeitlose Perle im unübersichtlichen Dschungel spiritueller Ratgeber hinterlassen. Sein Buch ist eines der wenigen, das – auf weniger als 100 Seiten – als destillierte Weisheit im Prinzip alles enthält, was man wissen muss und sozusagen ein offener Geheimtipp in der »Szene«.

Er verheimlicht dabei nicht, dass sein persönlicher Weg ein steiniger war und einige seiner Erfahrungen vom Konsum psychotroper Substanzen herrührten, weist aber gleichzeitig auch darauf hin, dass weder Rauschmittel noch sonst irgendwelche Techniken zur Selbst-Erkenntnis erforderlich sind. Eigenen Angaben zufolge war er ein fauler Mann und gelangte zu dem Schluss: Es braucht eben keine 20 Jahre Meditationspraxis und auch nichts anderes, das man vorher tun muss, um erleuchtet zu werden.

Seine Kernbotschaft lautet »Kein Widerstand«. Letzlich ist das auch alles, was man wissen muss, denn jede Form des Leidens rührt letztlich immer nur aus unserem Widerstand gegen das her, was real ist. (Ja, da lohnt es sich mal drüber nachzudenken!) Er geht sogar noch einen Schritt weiter und empfiehlt, so vieles wie möglich zu lieben, wo immer es geht.  Und wenn ich das mal so nebenbei anmerken darf: Lieben heißt in diesem Zusammenhang nicht zwangsläufig auch mögen. (Darüber mal nachzudenken lohnt sich mindestestens genauso, und ich hoffe, Sie brauchen nicht so lange wie ich, um es zu kapieren.)

Der Golas ist eines der wenigen Bücher, die ich mehrmals gelesen habe und sicherlich auch noch ein paar Mal lesen werde. »Kein Widerstand« ist bald zum allgegenwärtigen Mantra für mich geworden, das mir in Situationen verschiedenster Art das Leben vereinfacht. Wo ich mir beispielsweise früher auf der Autobahn nahezu ein Magengeschwür geärgert habe, nutze ich heute die Zeit für Meditation und Atemübungen, wohlwissend, dass Widerstand gegen den Stau die reinste Energieverschwendung wäre. Doch auch in weniger trivialen Situationen wie bei Krankheit und ähnlichen Krisen hilft mir dieses fundamentale Prinzip, schneller aus der Opferrolle in einen handlungsfähigen Zustand zu kommen. In meiner Kommunikation mit anderen fällt mir schneller auf, wenn ich reflexartig aus lauter Gewohnheit mit einer Version von »Warum hat der andere gerade unrecht, und wie kann ich ihm widersprechen?« reagieren will, statt erst einmal bewusst zuzuhören.

Kein Widerstand gegen den Zahnarzt

Sobald du lernst, die Hölle zu lieben, wirst du im Himmel sein.

Als Illustration dafür, wie außerordentlich nützlich diese Ausrichtung auf Akzeptanz statt Widerstand sein kann, mag dienen, was ich vor einigen Jahren beim Zahnarzt gelernt habe. Ich hatte mich entschieden, meine damals leider recht zahlreichen Amalgamfüllungen austauschen zu lassen, was sich insgesamt über mehr als 2 Jahre mit häufigen Behandlungsterminen hinzog. An dieser Stelle müssen Sie wissen, dass ich eine gewisse Abneigung gegen Schmerz habe, vor allem, wenn er länger andauert. Das Nachlassen der Lokalanästhesie war jedes Mal mit mehreren Stunden unangenehmer Schmerzen verbunden, was ich als höchst lästig empfand. Inspiriert durch den Erfahrungsbericht meines Lehrers Gay Hendricks über seine eigenen betäubungsfreien Zahnbehandlungen, beschloss ich ein Experiment.

Der Schmerz ist nicht das Problem, sondern nur mein Widerstand dagegen. Das war meine Hypothese. Das nächste Mal bat ich also darum, die Behandlung ohne Anästhesie durchzuführen und richtete mich ganz bewusst darauf aus, den Schmerz zu akzeptieren, statt gegen ihn anzukämpfen und das Leiden zu erwarten. Dabei atmete ich möglichst ruhig »in den Schmerz hinein« und achtete genau darauf, möglichst alle Muskeln zu entspannen, statt mich zu verkrampfen, wie ich es sonst instinktiv tat. Es stellte sich als ziemlich schwierig heraus, meine Ausrichtung für mehr als eine Sekunde am Stück aufrecht zu erhalten, doch das Ergebnis war besser, als ich es mir je hätte vorstellen können. Der Schmerz wurde nicht nur erträglich, sondern er verwandelte sich in eine Art Ekstase, und die Arbeit mit meinem Bewusstsein bereitete mir richtiggehend Freude. Und nein, ich bin nicht masochistisch veranlagt.

Während der folgenden Behandlungen konnte ich meine Fähigkeit, den Schmerz zu akzeptieren, noch verbessern, und seitdem habe ich, bis auf eine Ausnahme, mir bei Zahnbehandlungen nie wieder eine Betäubung geben lassen. Ich will nicht sagen, dass mir Schmerz nun Spaß machen würde, und es hängt auch sehr von der Art des Schmerzes ab, wie gut ich ihn akzeptieren kann, aber diese Erfahrung hat mir sehr eindrücklich gezeigt, wie machtvoll eine »Bewegung des Bewusstseins« von Widerstand zu Akzeptanz sein kann. Übrigens: Etwas Erfahrung in Atemarbeit ist sehr hilfreich bei Übungen dieser Art.

Probieren Sie’s aus.

© 2011 Björn Klug

Link zum Buch

Thaddeus Golas – Der Erleuchtung ist es egal wie du sie erlangst

Thaddeus Golas – The Lazy Man’s Guide to Enlightenment, das englische Original zum Lesen im Web

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One Comment to “Widerstand ist zwecklos”

  1. Übrigens: Das von Christian Anders gelesene deutsche Hörbuch kann ich nicht empfehlen. Erstens wurde der Text stark gekürzt, und zweitens hat C. Anders offenbar keine Ahnung davon, was er da eigentlich liest. Ganz zu schweigen von seinen eher bescheidenen Künsten als Vorleser.

    Was aber alles auch egal ist, da das Buch eigentlich überhaupt nicht zum Hören geeignet ist, da man die stark destillierte Essenz des Buches so schnell gar nicht erfassen kann. Viele Sätze möchten mehrmals gelesen und eingehend bedacht werden.

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