Drama-Dreieck

Drama ist nicht nur eine Kunstform

»Drama ist ein Oberbegriff für Texte mit verteilten Rollen« heißt es bei Wikipedia. Um Drama zu finden, müssen wir allerdings nicht ins Theater gehen oder ein Buch kaufen, denn es ist in unserem Alltag allgegenwärtig, wenn auch nicht immer so ausgeprägt wie in der Fiktion. Wir nehmen in Kommunikation mit anderen (und auch mit uns selbst) ständig Rollen ein – nur werden wir uns ihrer meist gar nicht bewusst.

Ein einfaches Beziehungsmodell

Drama-DreieckDas Drama-Dreieck ist ein Modell zur Veranschaulichung zwischenmenschlicher Beziehungsdynamiken und stammt ursprünglich aus der 1968 vom Psychologen Stephen Karpman entwickelten Transaktionsanalyse. Aufgrund seiner bestechenden Einfachheit bedient man sich seiner bis heute in vielen Zweigen des Coaching und der Therapie zur Aufdeckung unbewusster Kommunikationsmuster.

Wenn Menschen unbewusst kommunizieren, nehmen sie Rollen ein, die sie (meist in der früheren Kindheit) einmal erlernt haben, um überleben zu können. Eine solche Rolle wird auch Persona genannt, vom Lateinischen personare = durchtönen, ein Begriff, der dem antiken Drama entlehnt ist, in dem die Schauspieler Masken vor dem Gesicht trugen, durch die ihre Stimme hindurchtönte. Diese Personas kann man nun einer der drei Hauptrollen des Drama-Dreiecks zuordnen:

  • Der Täter (auch Verfolger oder Bösewicht) verteilt Schuld. Er weiß immer genau, was richtig ist und hat immer Recht. Meist sucht (und findet) er einen Sündenbock, den er beschuldigen kann. Beispiele für Täterpersonas sind der Kritiker, der Rebell, die Klatschbase, der Puritaner, der Inquisitor oder der Besserwisser.
  • Das Opfer vermeidet es, Verantwortung zu übernehmen und leugnet seine persönliche Kraft. Es fühlt sich überwältigt oder machtlos. Typische Opferpersonas sind der Märtyrer, der Bedürftige, die Heulsuse, der Pessimist, der falsch Verstandene, der Überarbeitete oder das verkannte Genie.
  • Der Retter (auch Held) übernimmt die Verantwortung anderer, ob er nun darum gebeten wird oder nicht. Zu den Retterpersonas zählen beispielsweise der Missionar, der Friedensstifter, der Schmeichler, der Feuerwehrmann, der Versorger, der nette Kerl oder das Sonnenscheinchen.

Beziehung oder Verstrickung

Was denn so falsch am Retter wäre, werde ich in meinen Workshops öfter gefragt. Es sei doch legitim, wenn man anderen helfen wolle. Ganz einfach: Er erzeugt Drama, indem er Verantwortung an sich reißt, die ihm eigentlich nicht zusteht, und er braucht dabei ein Opfer, das er retten kann. Und wenn das Opfer nicht gerettet werden will, dann mutiert es gerne auch mal zum Täter. Das Helfen an sich ist nicht das Problematische, sondern die dahinter liegende Absicht, also die unbewussten Motive der handelnden Persona.

Man könnte sagen, dass miteinander agierende Personas keine Beziehung sondern nur eine Verstrickung miteinander haben können. Wahrhaftige Beziehungen sind nur außerhalb des Dramas möglich, wenn unsere unmaskierte Essenz mit anderen in Verbindung tritt. Übrigens gilt das auch für unsere Beziehung mit uns selbst – tatsächlich spielen sich die meisten unserer Dramen in unserer Gedankenwelt ab, in Form innerer Dialoge wie dem folgenden:

»Zwei Tafeln Schokolade! Das hätte ich nicht tun sollen, ich werde viel zu fett.« (Täter, klagt an)

»Aber sie waren doch so lecker, ich konnte einfach nicht widerstehen …« (Opfer, leugnet Verantwortung)

»Ach komm schon, das trainierst du doch locker wieder ab. Klar darfst du dir mal was gönnen. Trink erst mal in Ruhe ein Bier …« (Retter)

»Verflucht, was bin ich armselig und schwach!« (Täter)

Drama erkennen

Bei genauem Hinsehen haben wir in jedem Moment unseres Lebens die Wahl zwischen 2 Bewusstseinszuständen: Drama und Präsenz. Drama ist eigentlich recht leicht an mindestens einer der folgenden Eigenschaften zu erkennen:

  • Schwere, ein Gefühl von Steckenbleiben, Tunnelblick, Ausweglosigkeit, Konflikt, Machtkampf, energieraubend, mit der Vergangenheit hadern oder sich vor der Zukunft fürchten

Präsenz hingegen ist den meisten von uns nicht so vertraut und offenbart sich so:

  • Leichtigkeit und Fließen, Gelassenheit, Raum, Freiheit, Kreativität, Harmonie, energetisierend, gegenwärtig und fähig zur Verantwortung sein

Drama ist optional

Drama ist in unserem Leben allgegenwärtig, und offenbar sogar sehr populär – man denke nur an »Reality TV«, Seifenopern und die Regenbogenpresse, um nur einige Beispiele zu nennen. Und deshalb kann sich kaum einer ein Leben ohne Drama auch nur vorstellen. Und die wenigsten wissen: Drama ist eine Sucht (unter anderem eine körperliche, ausgelöst durch die körpereigene Droge Adrenalin), und unsere Zuhälter sind wir selbst, unsere Familien, unsere Lehrer, die Medien usw. In Wirklichkeit ist Drama jedoch freiwillig, und wie von jeder Sucht kann man sich auch von dieser entwöhnen.

Es lohnt sich, es auszuprobieren. Hinweise zu den vielen möglichen Heilmitteln finden Sie in anderen Artikeln der Essential Times.

© 2011 Björn Klug

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Nie wieder streiten?

Ich unterstütze Sie gerne im Einzel- und Paarcoaching bei der Umsetzung dieser durchaus erreichbaren Ziele.

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